Überblick Fritz Winter, Komposition mit rotem Bogen, 1950
Komposition mit rotem Bogen
Öl auf Karton auf Leinwand ; 1950 ; 50 x 70 cm
Signiert und "50" datiert
Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2012", Düsseldorf 2012
Literatur:
"Fritz Winter - 1905 - 1976 - Zum 25. Todestag", Katalog 101, 60, Galerie Ludorff, Düsseldorf
„Die Kunst ist entweder ein Teil des Lebens oder ein Teil der Ästhetik. Für mich ein Teil des Lebens, deshalb auch so weit und groß wie dieses selbst. Die Grundsätze für die Kunst liegen nicht im Vorhandenen, sondern im Zuoffenbarenden.“1) Mit diesen Worten charakterisiert Fritz Winter die Intention seines künstlerischen Wirkens. Abstraktion steht für ihn dabei nicht im Gegensatz zur natürlichen Erscheinung der Dinge. Die ungegenständliche Bildsprache zeigt vielmehr, was sich hinter der sichtbaren Wirklichkeit befindet und ist Ausdruck dessen, wie sich diese verborgene Seite in der bildlichen Gegenwelt konkretisiert: „[…] denn es ist weit mehr sichtbar, als wir sehen können, und weit mehr hörbar, als wir hören können, und weit mehr da, als wir selbst sind. Für mich gilt nur das, was wir noch werden können.“2)
1905 in Altenbögge geboren, bestimmt der Schüler von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer am Bauhaus maßgeblich das Erscheinungsbild der Nachkriegsmoderne in Deutschland und auf internationaler Ebene. Nachdem ihn der Kriegsdienst und die anschließende Gefangenschaft wertvolle Zeit gekostet haben, stürzt er sich kaum heimgekehrt mit unbändigem Tatendrang in die künstlerische Arbeit und schafft in den folgenden dreißig Jahren ein umfangreiches Œuvre, das sich durch kritische Selbstreflexion ständig erneuert und kontinuierlich weiterentwickelt. Keine radikalen Brüche, sondern langsame Veränderungsprozesse führen ihn zu immer neuen Bildfindungen: Ausgehend von seinen kosmisch-energetischen Bildern aus der frühen Nachkriegszeit lässt sich Winter in den Fünfziger Jahren zunächst wieder stärker von in der Realität vorgefundenen Abstraktionen, wie z.B. dem Wellenspiel auf dem Wasser, inspirieren. Auf den umfangreichen Erfahrungen der Vorjahre und den Erkenntnissen des Bauhauses aufbauend improvisiert Winter von nun an immer stärker und abstrahiert immer zeichenhafter. Winter löst sich schließlich ganz vom realen Ausgangspunkt und es entstehen bildgewaltige Beispiele abstrakter Malerei – diese Arbeiten gelten als wichtigste Werkphase des Künstlers. Unser Gemälde „Komposition mit rotem Bogen“ stellt ein besonders attraktives Beispiel dar: Winters Interesse gilt allein dem Primat der Farbe und den Möglichkeiten der Gestaltung von Fläche und Raum durch die Farbe. Die Farbkomposition baut vor allem auf Rot-, und Brauntönen auf, unterbrochen von gelben und blauen Akzenten. Dabei nuanciert Winter sehr feinfühlig die lokalen Farbwerte. Das Spektrum reicht von warmen, hellen bis hin zu kühlen, dunklen Farben. Auch die Farbqualitäten sind differenziert ausgeführt und bewegen sich zwischen stumpf und leuchtend. Das Titel gebende, lebendige Rot drängt immer wieder unaufhaltsam in den Vordergrund und verleiht dem Gemälde Energie und Ausdrucksstärke.

Anm.: 1)Fritz Winter: Aus Briefen und Tagebüchern 1932 - 1950, zit. in: Werner Haftmann: „Fritz Winter“, Bern 1951, S. 17.
2)Fritz Winter zit. in: Carla Schulze-Hoffmann: „Als ob die optische Welt die wirkliche wäre – Fritz Winter und die abstrakte Malerei“, in: Fritz- Winter-Stiftung (Hg.): „Fritz Winter – Gemälde und Zeichnungen aus dem Besitz der Fritz-Winter-Stiftung“, Ausst.-Kat., München 1988, S. 12.
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