Überblick Martin & Brigitte Matschinsky-Denninghoff, Botschaft, 1986
Botschaft
Messing und Zinn auf Schiefersockel ; 1986 ; 49 x 35 x 17 cm
Auf der Unterseite signiert mit dem Monogramm und "86" datiert
Provenienz:
Atelier der Künstler; Galerie Henneman, Bonn; Wilfried Hoffmeister, Ludenscheid (1992); Sammlung Hoffmeister, Hamburg
Literatur:
Galerie Ludorff, "Skulptur I", Düsseldorf 2015
Georg W. Költzsch (Hg.), "Matschinsky-Denninghoff, Monographie und Werkverzeichnis der Skulpturen", Köln 1992
In nahezu unbegrenzten und beliebig variierbaren Dimensionen und Formaten nehmen die metallenen Skulpturen des Künstlerehepaares Matschinsky-Denninghoff den sie umgebenden Raum ein. Die dynamisch aufgelösten, plastischen Körper unterliegen dabei stets einer über die Jahre hinweg gefestigten, technischen wie formalästhetischen Gesetz- bzw. Regelmäßigkeit. Seit 1955, dem Jahr ihrer Hochzeit, erarbeite sich das Künstlerpaar eine eigenständige Position, die sich einem der Konstruktion aber dennoch plastischen Vokabular verpflichtete.
Brigitte Meier-Denninghoff assitiert nach ihrem Studium in Berlin und München ab 1948 beim berühmten englischen Bildhauer Henry Moore und wird 1949 zur Mitbegründerin der Künstlergruppe »ZEN 49«, deren Mitglieder nach dem Zweiten Weltkrieg die »Stunde Null« ausrufen und sich der Verbreitung der Gegenstandslosigkeit in der Kunst verschrieben haben. Martin Matschinsky, ehemaliger Soldat und physisch wie psychisch nahezu unversehrter Rückkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft, arbeitet zunächst als Schauspieler und entdeckt erst durch die Begegnung mit seiner späteren Ehefrau im Jahr 1952 seine Begeisterung für die Bildhauerei. Das Zusammentreffen mit Antoine Pevsner in Paris, unter dessen vom Konstruktivismus geprägten Kunst- und Architekturauffassung Brigitte Denninghoff von 1949 bis 1950 studiert, besiegelt ihre Zusammenarbeit und gemeinsame künstlerische Orientierung.
Das Grundelement ihrer Skulpturen bildet die Raumlinie, nicht in der Funktion als Silhouette, sondern als konstituierendes Element komplexer Strukturen. Zunächst angeordnet zu wandartigen Flächen, gebogen zu ganzen Körperstrukturen, in dessen Oberfläche sich das Spiel von Licht und Schatten bricht, bündeln sich Raumlinien bald zu bewegten Konstruktionen. In der Bündelung verfestigt sich die Linie, evoziert fließendes Streben und zugleich technoides Regelmaß. Im Widerspiel von lebendiger Bewegung und architektonischen Gleichmäßigkeit einer Säule, entwickelt sich auch die abstrakte Messingkomposition unserer Skulptur »Botschaft« aus dem Jahr 1986. Das Mittelformat und die Beschränkung auf zwei Komplexe, die sich einem Standmotiv nähern, verleihen ihr einen organischen Charakter, in dem man zuweilen ein anthropomorphes Kürzel zu erkennen glaubt.
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