Überblick Carl Hofer, Das handarbeitende Mädchen, ca. 1950
Das handarbeitende Mädchen
Tusche auf Velin ; ca. 1950 ; 51 x 38 cm
Signiert mit dem Monogramm
Provenienz:
Privatsammlung Berlin
Der 1878 in Karlsruhe geborene Künstler Carl Hofer studiert unter anderem bei Leo von Kalckreuth und Hans Thoma an der Akademie der Kunst in Karlsruhe. Aufenthalte in Paris und Rom prägen den Künstler sehr. Eine tiefe Zäsur für Hofer ist die Diffamierung seiner Person und Kunst während der Zeit der Nationalsozialisten, denen er offen kritisch gegenübersteht. Diese Ernüchterung spiegelt sich auch in seiner Kunst wieder. In ihr wird die Suche nach Schönheit nie aufgegeben. Einer Schönheit, in der gleichzeitig immer ein Hauch von Melancholie mitschwingt. Ausgehend vom Figürlichen stellt der Künstler Carl Hofer den Menschen in das Zentrum seines Schaffens. Seine Figuren sind gekennzeichnet durch eine sehr zarte, zerbrechliche und gleichzeitig karge Schönheit. Seine Werke strahlen eine immense Ruhe aus und lesen sich geradezu als Hommage an die Stille. Dieses Moment der Stille greift Hofer auch bei der schönen Tuschezeichnung »Das handarbeitende Mädchen« auf. Das in seine Näharbeit vertiefte Mädchen scheint in Gedanken versunken. Diese intime Szene bedarf keiner aufwendigen Bildarchitektur noch erklärender Attribute. In wenigen gekonnten Tuschestrichen bringt Hofer den Umriss des Mädchens sehr plastisch zu Papier und evoziert eine sehr intime, emotionale Stimmung. Bezeichnend für das Werk Carl Hofers ist seine Vision des klassisch Schönen gepaart mit lyrischem Inhalt. Bemerkenswert ist, dass seine Bilder nie ins Sentimentale oder Gefällige abrutschen, sondern stets aufgeladen sind mit einem tieferen Sinn. »So liegt die überzeitliche Bedeutung Hofers in seinem Erfolg, der Kunst ein neues Weltbild, nämlich das der Menschlichkeit, gegeben zu haben.«1
Mit dieser Ausdrucksform nimmt Hofer eine Sonderstellung innerhalb der deutschen Kunstwelt ein, die sich weder dem Impressionismus oder dem Expressionismus noch der abstrakten Malerei zuordnen lässt. Seine Intention bringt Hofer treffend auf den Punkt: »Irgend ein Naturalismus blieb mir fremd von Anbeginn an. Nie habe ich eine Figuration nach der äußeren Natur des Zufälligen geschaffen. Der Impressionismus vermochte mich darum nicht zu berühren. Die Ekstasen des Expressionismus lagen mir nicht. Ebensowenig lag es mir, durch die bei uns so hoch geschätzten Brutalitäten zu wirken, die für Kraft gehalten werden. Der Mensch und das Menschliche war und ist immerdauerndes Objekt meiner Darstellungen allerdings verstanden in einem tieferen, das Religiöse berührenden Sinn. Man muß den Mut haben unmodern zu sein. Es will mir das Kunstwerk als das Höchste erscheinen, auf das der Hölderlinsche Begriff des ›Heilig Nüchternen‹ anzuwenden wäre.«2

1 Zit. nach: Gerd Köhrmann in: »Karl Hofer. Galerie der grossen Meister«; Bd. 90, Bergisch Gladbach, o. J.
2 Zit. nach: Karl Hofer: »Aus Leben und Kunst«, Berlin1952, S.30.
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