Überblick Willi Baumeister, Kessaua statuarisch, 1954
Kessaua statuarisch
Öl mit Kunstharz auf Hartfaser ; 1954 ; 65 x 81 cm
Signiert und "2 54" datiert sowie rückseitig nochmals signiert, datiert und betitelt
Rückseitig signiert, betitelt und datiert
Provenienz:
Privatsammlung Hannover; Galerie Gunzenhauser, München; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1996 erworben)
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015; Galerie Neher, "Deutsche Kunst in den 50er und 60er Jahren", Essen 1988
Kestner-Gesellschaft, "Willi Baumeister", Hannover 1956
Kunstverein Hannover, "116. Frühjahrsausstellung", Hannover 1954
Galerie Gunzenhauser, "Willi Baumeister. Ölbilder, Handzeichnungen", München 1986
Literatur:
Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015; Peter Beye/Felicitas Baumeister: "Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde", Bd. II, Ostfildern 2002; Galerie Neher, "Deutsche Kunst in den 50er und 60er Jahren", Ausst. Kat., Essen 1988
Galerie Gunzenhauser, "Willi Baumeister. Ölbilder, Handzeichnungen", Ausst. Kat., München 1986
Galerie Gunzenhauser, "Lagerkatalog 3", München 1979
Will Grohmann, "Willi Baumeister – Leben und Werk", Köln 1963
Kestner-Gesellschaft, "Willi Baumeister", Ausst. Kat., Hannover 1956
Kunstverein Hannover, "116. Frühjahrsausstellung", Ausst. Kat., Hannover 1954
Willi Baumeister sah sich als Maler eng verbunden mit den „primitiven“ Ausdrucksformen alter und außereuropäischer Kulturen, suchte er doch in seinem eigenen Werk, die Urformen der Kunst zu ergründen. Die von ihm über viele Jahre gesammelten prähistorischen, afrikanischen, mesopotamischen und ostasiatischen Skulpturen, Masken und Artefakte standen oder hingen dicht an dicht in seinen Wohnräumen. Fast glaubt man, in Kessaua statuarisch eine solche Ansammlung verschiedenartigster Objekte zu erkennen. Baumeister war bewusst, dass er als moderner Betrachter kaum Zugang zur Bedeutung dieser fremdartigen Figuren und Zeichen gewinnen konnte, ihn faszinierte vor allem ihr visueller Gehalt. Allein durch ihre Formen und Proportionen konnten die Dinge eine magische Kraft entfalten, die der Künstler in seine eigene Bildwelt überführte.
In Kessaua statuarisch ist eine schwebende Welt mit einander überlagernden, sich auflösenden, farbigen und graphischen Elementen dargestellt. Das Auge folgt einer Bewegung im Bild, die mehr empfunden als gesehen wird. Es erahnt spukhafte Gestalten und Fragmente; es wird geleitet durch Kontraste, Nuancen, Linien, springt zwischen den Farbinseln aus Blau, Grün, Orange und Schwarz. Das Gemälde gehört zu der in den Jahren 1953 bis 1955 entstandenen, von Baumeister Kessaua genannten Werkgruppe, die lediglich vierzehn Werke umfasst. Sie ist als Weiterentwicklung der vorangegangenen Bilder der Afrika-Serie, der sog. Mogador-Serie und der Scheinreliefs zu verstehen. Zur Benennung der Serie schreibt Baumeister am 25.11.1953 in einem Brief an den Hannoveraner Sammler Gustav Grobe: „Der Titel ‚Kessaua‘ ist zum größten Teil aus klanglichen Vorstellungen entstanden (…) blaugrün erinnert an glasierte Kacheln, die im persischen Raum auftreten. ‚aua‘ hat Beziehungen zu afrikanischen Namen.“1 Der Bezug zu seinen früheren, sich an der primitiven Kunst der afrikanischen Volksstämme orientierenden Malerei ist also nach wie vor in seinem Werk präsent und bewusst gewählt. In der bedeutenden Kessaua-Serie bereichert der Künstler sein Werk vor allem um farbliche Einflüsse aus dem nahen Osten, durch die seine Bildsprache an Leichtigkeit und Heiterkeit gewinnt.



1 Zit. nach Peter Beye/Felicitas Baumeister, “Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde", Bd. II , Ostfildern 2002, S. 750.
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