Überblick Karl Otto Götz, Le tout petit Danton, 1960
Le tout petit Danton
Gouache auf auf Karton ; 1960 ; 25 x 33 cm
Signiert sowie rückseitig nochmals signiert, datiert, "LE TOUT PETIT DANTON" betitelt und mit der Widmung "Für Inga zum 7. April 1960" vs.
Wir danken Herrn Joachim Lissmann, K.O. Götz und Rissa Stiftung, für die Bestätigung der Echtheit des Werkes
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Privatsammlung Süddeutschland (Geschenk des Künstlers an die Vorbesitzerin am 7. April 1960)
Karl Otto Götz setzte sich schon in jungen Jahren mit zeitgenössischer, avantgardistischer Malerei auseinander. Der Diskurs mit ihr sollte den Künstler schließlich zur gegenstandslosen Malerei führen, die er als Wegbereiter des deutschen Informels über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machte. Obwohl sein künstlerisches Schaffen von den Nationalsozialisten durch ein Ausstellungs- und Malverbot in die Schranken gewiesen wurde und das vor dem Zweiten Weltkrieg entstandene Frühwerk bei einem Bombenangriff auf Dresden fast völlig zerstört wird, pflegte Götz seine Kontakte zur modernen Kunstszene in Deutschland und wurde in den Jahren nach dem Sturz der nationalsozialistischen Diktatur schnell zum Vorbild einer ganzen Generation.
Als einziges deutsches Mitglied der progressiven Künstlervereinigung »CoBrA«, die der Abstraktion eine neue, expressive Richtung verleihen wollte, war Götz an den ersten, großen öffentlichen Auftritten der Gruppe im Stedelijk Museum Amsterdam (1949) und im Palais des Beaux-Arts in Lüttich (1951) beteiligt. Seine Entwicklung führte über surrealistische und intuitiv-experimentelle Ausdrucksformen und war nach Auflösung der Gruppe im Jahr 1952 so gefestigt, dass sich Götz bis in sein Spätwerk hinein nicht mehr wesentlich verändern sollte. Im Deutschland der Nachkriegszeit veranstaltete Götz gemeinsam mit den Künstlern Bernard Schultze, Otto Greis und Heinz Kreutz als Künstlergruppe »Quadriga« die erste Informel-Ausstellung in Westdeutschland, in der die neue Form der Abstraktion der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Die Form entspringt dabei wie im Surrealismus dem Unbewussten und Unerwarteten. Der Ausdruck hingegen ist experimentell und vollkommen gegenstandslos. Die Erscheinung wirkt spontan, unterliegt jedoch einem konzeptuellen Ordnungsprinzip und ist das Ergebnis von der Erarbeitung gedanklicher Schemata, die Götz sich vor dem eigentlichen Malakt in Form von bestimmten »[…] Richtungsverläufen der Farbhiebe und Rakelzüge vorstellt […] [und die] nichts mit einer ein zu eins Vorzeichnung einer klassischen Komposition zu tun«1 haben. In der Hochzeit des Informel entsteht unsere ausdrucksstarke, frühe Gouache von 1960. Selbst in diesem kleinformatigen Werk kommen die Grundprinzipien seiner gemalten Poesie zum Vorschein: die Auflösung der Form, die durch die Farbe eingefangene Schnelligkeit ihres Auftrages sowie die expressive Farbwirkung in der Komposition. Die drei Farbkomponenten Schwarz, Rot und das Weiß des Hintergrundes steigern sich so zu einer eindringlichen Gesamterscheinung, die für sein Werk sehr typisch ist.

1 Die Galerie (Hg.), »Karl Otto Götz«, Frankfurt 2014, S. 37.
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