Überblick Käthe Kollwitz, Mutter mit Jungen, 1933
Mutter mit Jungen
Lithographie auf Velin ; 1933 ; Darstellung: 36 x 21,8 cm | 14 1/4 x 8 2/3 in
Signiert
Provenienz:
Privatsammlung London
Literatur:
Alexandra von dem Knesebeck, "Käthe Kollwitz – Werkverzeichnis der Graphik. Neubearbeitung des Verzeichnisses von August Klipstein", Bern 2002
August Klipstein, "Käthe Kollwitz – Verzeichnis des graphischen Werkes", Bern 1955
Käthe Kollwitz zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk erfreut sich nach wie vor einer großen internationalen Wertschätzung. Es ist ihr Verdienst, entgegen modischer Strömungen stets soziale und persönliche Themen zum Ausdruck gebracht zu haben. In ständiger Reflexion über die bestmögliche Verbindung von Form und Inhalt, gilt sie als visuelle Rhetorikerin, die in der Zeichnung wie auch in der Skulptur emotional sehr positive und intime aber auch zutiefst erschütternde Momente festgehalten hat. Strebte sie zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn noch eine Karriere als Malerin an, entwickelte sie sich unter Beeinflussung des Zeichenstils von Max Liebermann und Adolf Menzel zu einer energischen Vertreterin graphischer Kunst, mit der sie den urbanen Tragödien Ausdruck verlieh.
Insbesondere ihre persönliche Geschichte – der Verlust ihres 1914 in Flandern gefallenen Sohnes Peter – wird ihr Werk nachhaltig verändern. Fortan steht ihr Schaffen unter dem Vorzeichen des Existenziellen. Ihre Werke werden zu Stellvertretern von Mitgefühl, persönlichem Verlust und Trauer. Die Auseinandersetzung mit dem Tod, aber auch mit dem Leben, wird zum immer wiederkehrenden Motiv, die Konfrontation mit dem menschlichen Lebenszyklus unausweichlich.
Es gibt aber auch sehr positive Sujets, wie das Thema der Mutterschaft. So erweckt die Lithographie »Mutter mit Jungen« aus dem Jahre 1933 sentimentale Gefühle von Geborgenheit und Schutz. In zarter Manier legt Kollwitz den Fokus auf das Kind, welches sich in der liebevollen Umarmung der Mutter befindet. Die Gestik der Mutter, deren von weichen Stoffen umspielte Silhouette nur durch wenige, flüchtige Schraffuren angedeutet ist und die gesichtslos die Rolle der behütenden Versorgerin einnimmt, lässt keinen Rückschluss auf andere Emotionen als Zuneigung und Zufriedenheit zu. Kollwitz bringt in der Grafik einen der seltenen, unbeschwerten Momente zur Darstellung, in denen die innige Beziehung zwischen Mutter und Kind auf sensible Art und Weise zum Ausdruck gebracht wird.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com