Überblick Jerry Zeniuk, Ohne Titel, 2014
Ohne Titel
Öl auf Leinwand ; 2014 ; 70 x 70 cm
Rückseitig signiert und datiert
Provenienz:
Atelier des Künstlers
Von Beginn an ist Zeniuks Malerei der Gegenstandslosigkeit verpflichtet und frei von jedweden erzählerischen Implikationen. Die Farbe transportiert für Zeniuk keinerlei Botschaft oder Bedeutung, vielmehr geht es ihm allein um ihre Materialität. Über einen Zeitraum von nun mehr als 30 Jahren entwickelt er seine Malerei in sehr konsequenten kleinen Schritten weiter, bei der er zunehmend
reduzierter arbeitet.
Diese malerische Reduktion zeigt sich in unserem Werk von 2014 an dem Vorhandensein von singulären Kreisen und Tupfern in verschiedenen Farben und Größen, die typisch für sein Schaffen der letzten Jahre geworden sind. Mit breitem Pinselstrich werden die Farbfelder auf die unbehandelte Leinwand in größeren Abständen zueinander angeordnet, so dass der Bildträger zwischen den einzelnen Punkten sichtbar bleibt. Der ausführende Pinselstrich ist grob, weshalb die einzelnen Kreise keine klaren Umrisslinien aufweisen, sondern nach außen hin ausfransen und sich nur selten berühren. Was zunächst eine gewisse Beliebigkeit suggeriert, zeigt sich beim genauen Hinsehen als sorgfältig austarierte Komposition, welche durch das quadratische Format unterstützt wird. Seine Bilder entwickeln sich erst während des Malprozesses: Der Künstler beginnt mit einem Farbpunkt und aus diesem heraus ergibt sich der nächste Schritt. So entsteht nach und nach die gesamte Komposition einschließlich der Farbauswahl. Die einzelnen Töne sind sensibel zueinander in Bezug gesetzt worden, um dem Bild eine möglichst große Intensität zu verleihen. Betrachtet man das
Bild, wird der Blick rasch von einem Farbton erfasst und das Auge beginnt ganz unbewusst über weitere Farbflecken oder Punkte desselben Tons zu wandern. Zentral stechen hier die intensiven Gelbtöne hervor, die bewusst in Relation zu den übrigen Farben gestellt werden und auf die der Blick immer wieder zurück fällt.
1989 erläutert Zeniuk in einem Radiointerview seine Auffassung von Malerei: »Als ich noch ein Student war, habe ich von Clement Greenberg gelernt, dass ein abstraktes Bild flach sein muss und die Farbe selbst Bildgegenstand ist. […] Und das war es, was mich fesselte. So begann der Lernprozess: Wie kann ich den Raum deutlich machen, wie das Licht, wie kann ich ihm Bedeutung geben? Und − besonders, wenn man kein Abbild hat − immer wieder die Frage: Was ist der Gegenstand des Gemäldes, was ist es, dass das Auge sieht, worauf ziele ich ab? Das sind all die Jahre meines Malens. Und jedes Jahr wurde mir klarer, was ich will, was ich sehe, und auch die Bedeutung dessen, mein Wissen darüber hat zugenommen. Ich kann heute sehr viel präziser diesbezüglich sein. Ich kann auch sehr viel mehr den Betrachter einbeziehen, ihn in ein Bild eintreten lassen und sich darin bewegen lassen.«1

1) Interview von Wilhelm Warning mit Jerry Zeniuk für den Bayerischen Rundfunk im September 1989, zit. in: Dieter Schwarz/Ulrich Wilmes (Hg.): »Jerry Zeniuk. Oil and Water«, Ausst.-Kat., Nürnberg 1999,
S. 164
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