Überblick Otto Piene, Solar, 1989/1990
Solar
Öl auf Leinwand ; 1989/1990 ; 80 x 100 cm
Rückseitig signiert, "89 /90" datiert und betitelt sowie nochmals auf dem Keilrahmen signiert, "89 /90" datiert und betitelt
Auf dem Keilrahmen nochmals signiert, datiert und betitelt.
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Galerie Schoeller, Düsseldorf; Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Farbe, Licht und Bewegung sowie Kunst und Natur so zu verbinden, dass eine für die Kunstgeschichte bis heute wegweisende Position entsteht, deren Ziel die Verschmelzung von Natur, Technik und Mensch ist, ist bei kaum einem anderen Künstler des 20./21. Jahrhunderts so zu konstatieren wie bei Otto Piene. Der Mitbegründer der Gruppe ZERO befasste sich vor allem mit den Phänomenen des Lichts, den Elementen und der Bewegung im Raum. Bereits 1957 beginnt Pienes Beschäftigung mit Rauch und Feuer. Pinsel und Farbe werden durch Flamme und Rauch ersetzt. Erste sogenannte Rasterbilder und Rauchzeichnungen entstehen Ende der 1950er Jahre. 1961 folgen erste Feuergouachen sowie Rauch- und Feuerbilder auf Leinwand.
Die Arbeit »Solar« besticht vor allem durch ihr kontrastreiches Kolorit. Auf dem warmen, orangefarbenen Hintergrund entfaltet sich fast zentral im Mittelpunkt des Bildes eine Explosion von schwarzer Farbe und verrußtem Bildgrund bis hinunter zum unteren rechten Bildrand. Wie bei kaum einer anderen Farbkombination, assoziiert man diese beiden warmen, satt-leuchtenden Farben mit Feuer, Energie und Dynamik.
Wie auch Mack und Uecker, verwandelt Otto Piene das Bild in ein Instrument zum Einfangen, Strukturieren und Nuancieren einer immateriell optischen Energie. Das zügige Löschen des Feuers auf der Leinwand innerhalb von nur wenigen Sekunden, entscheidet über das Gelingen und künftige Aussehen des Bildes und lässt es so zu einer Manifestation der Elemente selbst werden. Piene prägt auf diese Weise einen neuen Bildtyp aus, der sorgsam zwischen Zufall, Steuerung und Ästhetik ausgewogen ist. Der Vorgang des Abbrennens hat für Piene dabei nichts Destruktives an sich, sondern ist für ihn ganz im Gegenteil »ein Prozess, der Neues schaffen kann«. Als rein chemischer Prozess hat das eruptive Entzünden der Farbe für Piene eine ausgesprochene Nähe zu den evolutionären Naturkräften der Erde und des Universums. Die Verwandtschaft des Herstellungsprozesses seiner Gemälde mit Naturvorgängen erzeugt für ihn daher eine Vielzahl an möglichen Bedeutungen, die für ihn »Ausdruck konzentrierten Lebens«1 sind.

1 Philipp Ziegler, »Otto Piene: Energiefelder« (2013), in: »Otto Piene. Black Melt & Light Rays«, Düsseldorf 2016, S. 9.
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