Überblick Sam Francis, Untitled, 1959
Untitled
Gouache auf Papier ; 1959 ; 29 x 22 cm
Rückseitig signiert sowie von fremder Hand datiert und "New York" markiert
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Galerie Krugier & Cie, Genf; Privatsammlung Deutschland (seit ca. 1960); Privatsammlung Deutschland (durch Erbschaft vom Vorbesitzer)
Im Jahr 1959 hält sich Sam Francis, sein Geburtsname
lautet eigentlich Samuel Lewis Francis, nach einem längeren
Aufenthalt in Paris und einer Weltreise größtenteils
in New York auf. Hier quartiert er sich im Hotel Chelsea
ein und widmet einen großen Teil seiner Zeit dem großformatigen,
2,44 x 11,79 Meter messenden Wandgemälde
für den Speise- und Aufenthaltsbereich der Direktoren
der Chase Manhattan Bank.1 Im gleichen Jahr ist auch
unsere Gouache auf Papier entstanden. Francis bevorzugt
die Verwendung intensiver, reiner Farben. Wie viele Arbeiten
dieser Zeit dominieren Variationen der drei Primärfarben,
die sich in diesem Falle um eine schwarze Form
herum gruppieren. Charakteristisch für sein Schaffen
dieser Zeit ist die geometrisierte Komposition aus Farbflächen,
die mitunter an die Scherenschnitte von Matisse
erinnern lassen. Es treten annähernd rechte Winkel auf,
dennoch zeichnet sich das Blatt durch eine starke Dynamik
aus. Unsere Gouache ist gekennzeichnet von dem
Zusammenspiel
leuchtender, teilweise großzügiger Farbflächen
in Verbindung kleiner und kleinster Farbspritzer
derselben Farben, die sich wie ein feines unregelmäßiges
Netz über die Oberfläche ziehen. Im Zentrum der Komposition
befinden sich einige tiefschwarze Farbflächen,
die das Verbindungsglied zwischen den farbigen Feldern bilden. Wesentlich sind zudem die Freiflächen zwischen
den verschiedenen Farbzonen, die zu einem ebenbürtigen
Bildgegenstand hervortreten.
Während Francis in seiner Pariser Zeit noch von vorwiegend
monochromen Bildern zu flächendeckenden,
mehrfarbigen
Kompositionen übergegangen war, beginnt
er seit ca. 1956 zunehmend auch Freiflächen im Werk einzusetzen,
die dem Betrachter gemäß der Lehre traditioneller
asiatischer Malerei eine eigenständige Vervollständigung
abfordern sollen. Francis äußert sich dazu: »The Space
at the center of these paintings is reserved for you.«2 Unser
unbetiteltes Werk stellt eine herausragende Arbeit des
Künstlers dar, die zu einer Zeit entsteht, als er von langen
Auslandsaufenthalten nach New York zurückkehrt.
Das Erlebte und Erlernte breitet sich nun wie nach einem
Urknall auf seinen Arbeiten aus und mündet unaufhaltsam
in der so stetigen Weiterentwicklung seines
Prinzips des »action painting«.


1 Vgl. »Sam Francis, Eine Retrospektive, 40 Years of Friendship, Werke
1945-1990«, Ausst.-Kat. Galerie Kornfeld, Bern 1991, S. 14.
2 Aus dem Video ‚Sam Francis’ von 1984, verteilt durch Michael
Blackwood, New York, zit. nach Annabelle Birnie, »introduction«, in:
»Sam Francis«, Ausst.-Kat. Gallery Delvaive, Amsterdam o. J., S. 4.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com