Überblick Bernd & Hilla Becher, Wassertürme, 1980 / 1982
Wassertürme
2 Silbergelatineabzüge auf Barytpapier ; 1980 / 1982 ; 39,4 x 30,5 cm / 15 1/2 x 12 in
Rückseitig jeweils auf dem Unterlagekarton von beiden Künstlern datiert, signiert sowie mit der Widmung "For Diane" versehen
Provenienz:
Atelier der Künstler; Privatsammlung USA (Geschenk der Künstler)
Ausstellung:
Carnegie Museum of Art, "Pittsburgh Collects", Pittsburgh 1993
Literatur:
Bernd und Hilla Becher, "Wassertürme", München 2005
In der Kunst des 20. Jahrhunderts gibt es nur wenige
Künstler, die ihr künstlerisches Konzept so nachhaltig
verfolgt haben wie Bernd und Hilla Becher. Das Künstlerpaar
hat mit seiner systematisch dokumentierenden Fotografie
in den vergangenen 50 Jahren Kunstgeschichte
geschrieben
und Fotografen mehrerer Generationen
nachhaltig beeinflusst. Seit den frühen 1960er Jahren entstehen
sogenannte Typologien,1 Serien von verschiedenen
Fachwerkhäusern und Bauwerken industrietechnischer
Gattungen, wie etwa Fördertürmen, Hochöfen, Kohlebunkern,
Fabrikhallen, Gasometern oder etwa Getreidesilos,
welche die Künstler zunächst vornehmlich in
Deutschland und den Beneluxländern, später in der ganzen
Welt fotografieren. Sämtliche Fotografien werden
mit einer Großformatkamera nach einem gleich bleibenden,
strengen Prinzip aufgenommen. Die Wahl des Ausschnitts
ist dabei ebenso gleichbleibend wie die Wettersituation,
die ein konstantes Ausleuchten der Gebäude
ohne Licht und Schatten ermöglicht.
Die Umgebung bleibt
so unauffällig wie möglich. Die gesamte Aufmerksamkeit
gilt der Architektur.
Auch in unserer Arbeit, zwei Wassertürme aus Frankreich und Deutschland, werden diese funktional-konstruktiven
und systematisierenden fotografischen Mittel
angewendet. Die Schwarzweiß-Fotografie zeichnet sich
vornehmlich durch ihre dokumentarische Nüchternheit
und ästhetische Klarheit aus, die zum einen durch die
Frontalität und zum anderen die Isoliertheit des Objektes
bei gleichmäßigen Lichtverhältnissen erzielt wird. Die
architektonischen Gesetzmäßigkeiten werden auf den
Bildaufbau übertragen. Ganz dem Prinzip »form follows
function« folgend, leiten sich sowohl die Formgebung der
realen Architektur, als auch die Komposition ihres Abbildes
von ihrer praktischen und funktionellen Bestimmung
ab.
Besonders in den Typologien wird das künstlerische
Konzept des Fotografenpaares deutlich, »das Verfahren
der Typologie ist durch die genaue Beobachtung, das
Sammeln, Benennen und Gruppieren von Spezies, Gegenständen
oder Informationen geprägt, um Rückschlüsse
auf ein übergreifendes Muster oder einen die Gruppen
kennzeichnenden Bauplan zu erhalten.«2 Bernd und Hilla
Becher, die seit Ende der 1950er Jahre zusammenarbeiteten,
gelten als Wegbereiter der »Düsseldorfer Photoschule«,
einem Sammelbegriff all jener Künstler, die von 1976 bis
1996 bei Bernd Becher in der neu geschaffenen Fotoklasse
an der Kunstakademie Düsseldorf studiert haben
und es durch die enge Zusammenarbeit mit ihm und seiner
Frau zu großem Erfolg gebracht haben.


1 Eine Typologie meint im eigentlichen Sinne des Begriffs die
»wissenschaftliche Beschreibung und Einteilung eines Gegenstandsbereiches
nach Gruppen von einheitlichen Merkmalskomplexen.«,
Siehe Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 22, Mannheim 1993, S. 528.
2 Die Bauwerke werden nicht ebenerdig fotografiert, sondern es
werden Leitern oder Kräne benutzt, die einen erhöhten Aufnahmestandpunkt
ermöglichen.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com