Überblick Otto Piene, Feuerblume, 1964
Feuerblume
Feuergouache auf Karton ; 1964 ; 48 x 68 cm
Signiert und "64" datiert
Provenienz:
Privatsammlung Berlin
Literatur:
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2016", Düsseldorf 2016
Farbe, Licht und Bewegung sowie Kunst und Natur so zu verbinden, dass eine für die Kunstgeschichte bis heute wegweisende Position entsteht, deren Ziel die Verschmelzung von Natur, Technik und Mensch ist, ist bei kaum einem anderen Künstler des 20./21. Jahrhunderts so zu konstatieren wie bei Otto Piene.
Der Mitbegründer der Gruppe ZERO befasste sich vor allem mit den Phänomenen des Lichts, der Elemente und der Bewegung im Raum. Bereits 1957 beginnt Pienes Beschäftigung mit Rauch und Feuer. Pinsel und Farbe werden durch Flamme und Rauch ersetzt. Erste sogenannte Rasterbilder und Rauchzeichnungen entstehen Ende der 1950er Jahre. 1961 folgen erste Feuergouachen sowie Rauch- und Feuerbilder auf Leinwand.
Das Element Feuer spielt auch bei der Gestaltung unseres Werks »Feuerblume« eine zentrale Rolle. Durch das Anbrennen und Löschen von Fixativ und Pigmenten entstehen die für Piene charakteristischen, von Blasen und Krusten durchzogenen Kreisformen. Dabei geht es Piene nicht darum zerstörerisch zu wirken, sondern darum die Naturvorgänge und ihre Schöpfungskraft zu verdeutlichen und selbst zu erleben.1 Diesen Moment des Kunst- und Naturerlebens verfolgt Piene in seinem gesamten Œuvre, von den Lichtballetten bis zu den Sky-Events und den späten Keramikarbeiten, konsequent.
In unserem Werk »Feuerblume« bestimmt ein schwarzer, heterogen auslaufender Rußfleck auf feuerrotem Bildgrund (»Die dem Rauch angemessene Farbe ist Rot«2) die Fläche. Er scheint mit dem Hintergrund zu verschmelzen und sich immer weiter auszudehnen. Die gesamte Gestalt, die sich vom rußgrauen Mittelpunkt in schwarze, ungleichmäßig pigmentierte Ringe, ausdehnt, erinnert an eine vegetabile Form. Das Motiv der »Blume« nimmt einen besonderen Stellenwert in Pienes künstlerischem Schaffen ein, da er diese nicht nur malerisch und zweidimensional auf Papier und Leinwand darstellt, sondern in verschiedenen Werkphasen immer wieder auch skulptural und multimedial in Form von Lichtinstallationen und -projektionen in den Lichtballetten oder auch als monumentale Luftplastik in seinen Sky-Event-Projekten aufgreift.

1 Vgl. »Otto Piene. Retrospektive 1952-1996«, Ausst.-Kat. Museum Kunstpalast Düsseldorf 1996, S. 52.
2 Zit. Otto Piene, »Piene, Licht und Rauch, Graphik«, Ausst.- Kat. Städtisches Museum Leverkusen, Schloss Morsbroich, Leverkusen 1962.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com