Überblick Emil Nolde, Bauernhaus in der Marschlandschaft, ca. 1920/1925
Bauernhaus in der Marschlandschaft
Aquarell auf Japanpapier ; ca. 1920/1925 ; 33 x 46 cm
Signiert
Expertise: Prof. Dr. Martin Urban,ehemaliger Direktor der Stiftung Ada und Emil Nolde, Seebüll
Provenienz:
Privatsammlung Liechtenstein
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Düsseldorf 2010
Literatur:
Galerie Ludorff, "Emil Nolde", Ausst.-Kat. Nr. 130, Düsseldorf 2010
Ein zentrales Motiv in Emil Noldes Werk sind die Weiten Nordfrieslands und ihre flachen Marschlandschaften mit den eindrucksvollen Wolkenformationen, die der Künstler leidenschaftlich in farbgewaltigen Aquarellen einfängt. Fasziniert vom Lichtspiel und den mannigfaltigen Wetterphänomenen lebt und arbeitet der 1867 geborene Nolde einen Großteil seines Lebens zusammen mit seiner Frau Ada in der Abgeschiedenheit seiner Heimat im hohen Norden. Nach langem Suchen erwirbt er in Seebüll – südlich der Grenze zu Dänemark – eine Warft mit Bauernhof, auf der er sich nach seinen Entwürfen von 1927 bis 1937 ein Wohn- und Atelierhaus errichten lässt. In dieser Zeit entstehen die mitunter intensivsten Aquarelle Noldes.
Fast übermächtig schwebt der Himmel über der Szenerie unseres Aquarells. Eine breite rötliche Wolkenfront schiebt sich vom linken Bildrand seitlich in die spätabendliche Szenerie hinein. Im Hintergrund erstrahlt bereits der tiefblaue Himmel, der die bevorstehende Nacht ankündigt. Mit leuchtender dunkelblauer Kontur definiert Nolde die Horizontlinie und gibt der freien Komposition so den nötigen Halt. Der Blick wandert am Horizont entlang und trifft am rechten Bildrand auf ein Bauernhaus, das die Landschaft erst als solche definiert. Ohne dieses figurative Element könnte man die Bildfläche nämlich schnell auch für ein reines Farbenspiel auf einer abstrakten Bildfläche halten.
Die Intensität von Noldes Marschlandschaften weist sehr deutlich auf Noldes große Liebe für die Natur und das abgeschiedene Leben hin, das er für sich und seine Frau Ada immer wieder suchte. Trotz seines intensiven Austauschs mit anderen Künstlerkollegen und der großen künstlerischen Anerkennung, die ihm zuteil wurde, sucht Nolde immer wieder die Isolation und das enge Zusammenleben mit Ada und der von ihm so sehr geliebten Natur. Nolde war kurzzeitig sogar Mitglied in der Künstlervereinigung »Brücke« und besaß über viele Jahre auch noch ein Atelier in Berlin. Er löst sich jedoch alsbald wieder von der Künstlergemeinschaft und geht seine eigenen Wege.
In seinen einsamen Bildwelten durchlebt der Betrachter diese Trennung von der Großstadt und die immer intensiver werdende Hinwendung zur Natur. Nolde steigert die imposanten Sinneseindrücke mit extremer Farbigkeit, die die Natur zu überhöhen meint. Im Laufe der Jahre bereitet er der reinen Aquarellfarbe und dem Zusammenspiel der lavierenden Farben immer mehr Raum und beschränkt seine zeichnerischen, figurativen Eingriffe auf wenige Linien. Nolde löst sich hierdurch immer stärker von jedweder Bindung an diesseitige Lebenswelten, womit er nicht zuletzt immer wieder auch einen Einblick in sein Seelenleben preisgibt und auf diese Weise ein Portrait der eigenen Person zeichnet.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com