Überblick Emil Nolde, Lumpen, 1898
Lumpen
Radierung ; 1898 ; 9 x 6 cm
Signiert und datiert
© Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde





Emil Nolde ist Maler und von Anbeginn auch begnadeter Zeichner und Graphiker. Unser Blatt „Lumpen“ ist 1898 entstanden und stellt das erste Werk im graphischen Œuvre des Künstlers dar. Über 500 weitere Radierungen, Holzschnitte, Lithographien und Hektographien werden folgen. Die graphische Arbeit markiert dabei einen eigenständigen Bereich innerhalb Noldes Gesamtwerks und ist dennoch untrennbar mit seiner Malerei verbunden.1)


„Meine Kunst, mit mir aus dem Volke erstanden, hatte immer, wo wir waren, die rührendsten Begegnungen mit den einfachen Menschen unserer Umgebung […].“2) Diese Äußerung, im Zusammenhang mit der Südseereise um 1914 getroffen, ist für sein gesamtes Schaffen bezeichnend: Zwei einfache Tagelöhner erwählt er in der hier vorliegenden Radierung zum Motiv. Nolde zeigt sie eng zusammengerückt im Brustportrait und konzentriert sich dabei auf die Darstellung der beiden Köpfe. Oberkörper und Mäntel sind nur angedeutet und sparsam akzentuiert.


Die Gesichter der Männer sind vom harten Leben gezeichnet und tief zerfurcht. Ihr Blick ist dennoch verschmitzt und voller Freude. Unumwunden blicken sie den Betrachter an, der ihrer Unterhaltung beizuwohnen scheint. Schon hier, in dieser frühen Arbeit, in der sich Nolde tastend an die für ihn noch ungewohnte Technik heranwagt, zeigen sich Noldes herausragende zeichnerische Fähigkeiten. Den Gesamteindruck vor Augen setzt er die einzelnen Linien, führt mit sicherer Hand die Nadel über die Platte und charakterisiert eindrücklich Wesen und Eigenart der beiden Männer.


Im Anschluss an diese erste Radierung entstehen zunächst nur einige wenige Arbeiten. Doch dann, um 1905, packt Nolde ein Schaffensrausch, der, von einzelnen Pausen unterbrochen, bis 1924 anhält. „Ich arbeitete, kratzte und ätzte, so dass alles um mich herum, Wäsche, Tapeten, Kleider mitleidend war“3), beschreibt Nolde später in seinen Erinnerungen das euphorische Arbeiten in der Kunst des Schwarz-Weiß.


 


Anm.:

1)  Vgl. Magdalena M Moeller/Manfred Reuther (Hg.), Emil Nolde – Druck
graphik aus der Sammlung der Nolde-Stiftung Seebüll“, München 2003,? S. 7ff.


2)  Emil Nolde, „Welt und Heimat“, Köln 2002, S. 171.


3)  Emil Nolde, „Mein Leben“, Köln 2008, S. 157.

Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com