Überblick Emil Schumacher, G-17/1972, 1972
G-17/1972
Gouache auf Packpapier ; 1972 ; 62 x 80 cm
Signiert und "72" datiert
Expertise: Dr. Ulrich Schumacher, Hagen
Provenienz:
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Ausstellung:

Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015; Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel, "Emil Schumacher - Arbeiten auf Papier 1957 - 1982", Hannover 1982

Literatur:

Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015; Bernhard Holeczek/ Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel (Hg.), "Emil Schumacher - Arbeiten auf Papier 1957 - 1982", Ausst.-Kat., Hannover 1982

Als junger Mann ist Emil Schumacher inspiriert von Matisse, Miro, Picasso, Chagall. Er besitzt einen Ausstellungskatalog mit deren Werken, den er als »Nachschlagewerk« bis Anfang der 1940er Jahre verwendet.1 Er reist mit dem Rad nach Frankreich und besucht die wichtigen Museen in Paris. Nach dem Krieg, ab 1945, beschäftigt er sich mit Klee und Wols und entdeckt eine vom Gegenstand befreite Malerei. Sein erstes abstraktes Bild, mit dem er die Tradition des traditionellen Tafelbildes überwindet, entsteht 1951. Spätestens ab den 1960er Jahren rückt die Beschäftigung mit den Materialien und den Farben – die er immer selbst anmischt, da ihm die ge­kauften zu flüssig sind2 – ins Zentrum seines Schaffens.
Der Beginn des Malprozesses ist bei Schumacher fortan willkürlich und ohne festes Motiv im Kopf. Dennoch finden sich während des Malens schnell Formen, aus denen sich dann das gesuchte Motiv entwickelt. Schumacher erklärt dies so: »Was ich erkannt habe, ist nicht mehr Zufall. Es ist mir zugefallen.“3 Malen ist für ihn geistige und körperliche Anstrengung. Er bedient sich einer kraftvollen, ausdrucksstarken Sprache, schafft, wie Werner Schmalenbach – Schumacher-Experte und erster Direktor der Kunstsammlung NRW – es beschreibt, eine Verbindung zwischen farbigem Malgrund von lebhafter Materialität und aktiven graphischen Pinselzügen – eine Verbindung des Strukturellen mit expressiver Gestik – den beiden Facetten der informellen Kunst.4 Schumacher entdeckt Schönheit in der materiellen Ausdeutung von Farbe. Seine Bilder versteht er als geschlossene, bildhafte Einheiten, die eine abstrakte Ebene haben, dem Betrachter aber immer auch die Möglichkeit geben, das Dargestellte in der eigenen Phantasie weiterzudenken, Dinge zu erkennen und so das Bild im Kopf zu vollenden. Deshalb wählt Schumacher bewusst erfundene Titel, die offene Assoziationen ermöglichen. Seine typischen Bogenformen lassen das Bild als etwas statisches, in sich Ruhendes erscheinen, so aktiv sie auch hingeschrieben sind.5 Im Alter von 85 Jahren erklärt Schumacher rückblickend selbst, er hasse das Glatte, das Elegante, Dinge, die nur Oberfläche sind, vielmehr möchte er in die Tiefe gehen.6
»G17/1972« hat eben diese für ihn charakteristische kraftvolle Präsenz, die das Werken und Einwirken des Künstlers noch heute spürbar und nachvollziehbar macht. Man sieht dem Papier an, wie Schumacher es bearbeitet, geknickt, gequält und teilweise zerstört hat. Man kann in den schwarzen Bögen die Bewegung seines Pinsels nachvollziehen und auch den Auftrag der leuchtend blauen Farbe. Der Betrachter spürt die Materialität der verwendeten Stoffe und Farben, die das Blatt zu einem dreidimensionalen Objekt werden lassen, das im Raum zu schweben scheint. Dieses Kunstwerk vereint alle Elemente die typisch sind für die Kunst eines Mannes, der als einer der bedeutendsten Künstler der deutschen Nachkriegskunst anzusehen ist und als zentrale Figur des europäischen Informel.

1 Vgl. Werner Raeune, »Emil Schumacher«, Dokumentarfilm in Zusammenarbeit mit der Emil Schumacher Stiftung, Ulrich Schumacher und Ralph Goertz, Institut für Kunstdokumentation und Szenografie, Düsseldorf 2009.
2 Vgl. ebd.
3 Schumacher in: ebd.
4 Vgl. Werner Schmalenbach, »Bilder des 20. Jahrhunderts. Die Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen«, München 1987, S. 272–274.
5 Ebd.
6 Schumacher im Interview in: Werner Raeune, »Emil Schumacher«, Dokumentarfilm in Zusammenarbeit mit der Emil Schumacher Stiftung, Ulrich Schumacher und Ralph Goertz, Institut für Kunstdokumentation und Szenografie, Düsseldorf 2009.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com