Überblick Emil Schumacher, Gelim, 1997
Gelim
Öl und Teer auf Holz ; 1997 ; 34 x 56 x 4 cm
Signiert und "97" datiert
Rückseitig ein weiteres von Schumacher signiertes und "96" datiertes Gemälde
Expertise: Dr. Ulrich Schumacher, Hagen
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Galerie Hans Strelow, Düsseldorf; Privatsammlung Rheinland
Ausstellung:
Galerie Hans Strelow, "Emil Schumacher: Bilder 1996-1998", Düsseldorf 1998
Literatur:
Galerie Hans Strelow, "Emil Schumacher", Ausst.-Kat., Düsseldorf 1998
Emil Schumacher gilt als einer der bekanntesten und wichtigsten Vertreter der informellen Malerei nach dem Krieg in Deutschland. Auch im hohen Alter ist er noch sehr produktiv. Bis zu seinem Tode verbringt er den Großteil seiner Zeit auf der spanischen Baleareninsel Ibiza, die ihm zur zweiten Heimat geworden ist. Die Umgebung, das Klima und insbesondere das südländische Licht faszinieren Schumacher. Hier in seinem Atelier entstehen viele der späten Bilder, die vom großen Elan und der Schaffenskraft des Künstlers zeugen.
Unser querformatiges Ölgemälde „Gelim“ malt Schumacher im Jahr 1997. Zunächst grundiert er mit einer weißen pastosen Farbschicht unregelmäßig die gesamte Fläche des Bildträgers. Mit spontanem und spielerischem Duktus verteilt Schumacher die satte blaue Farbe auf dem Holz so, dass an einigen Stellen die weiße Farbe durchschimmert. Darüber legt der Künstler noch eine Schicht Teer, die sich mit den Ölfarben teilweise vermischt und zufällige Strukturen ergibt. Die Farben strahlen eine große Leuchtkraft aus. Insbesondere das strahlende Blau – die Farbe der Transzendenz und Unfassbarkeit – setzt Akzente und zieht den Betrachter in ihren Bann. Schumacher beschreibt seinen spontanen, jedoch stets überdachten und routinierten Einsatz der Farbe wie folgt: „Ich nehme eine Farbe, wie ich in einen Apfel beiße oder einem Freund die Hand gebe.“1) Die materielle Kraft des Farbauftrags und die dadurch entstandenen Formationen entwickeln ein komplexes, ebenso klar strukturiertes wie unerwartetes, improvisatorisch angelegtes Spannungsfeld. Die Werke, insbesondere im späten Œuvre, erhalten Bildtitel, die der Künstler vergibt. Diese Namen beschreiben nicht, sondern sind, wie der Künstler dokumentiert, „erfundene Bezeichnungen, weil ich einfach sage, das Kind – das Bild – muss einen Namen haben. Es darf nicht nur eine Nummer bleiben, denn es ist ein Geschöpf, es sind meine Kinder und die will ich bezeichnen“.2)
Schumacher begleiten in seinem Tun Erlebnisse und Empfindungen, denn jedes Bild ist für den Künstler ein neuer Versuch: „Wenn ich male bin ich immer sehr fiebrig angespannt; ein Willensakt, bei dem ich zwischen Gefühl und Verstand schwebe. […] Ich taste mich langsam vorwärts, ohne dass ich im Einzelnen weiß, wohin es führt. Nur das gesamte Bild kenne ich zu jeder Zeit der Arbeit.“3) Die sichtbare Fläche bei den Bildern Schumachers ist immer ein Resultat eines langen Schaffensprozesses. Aus Emotionen und Reflexion entstehen so die vielschichtigen Bilder, die immer wieder ergänzt und kontrolliert werden.
Interessanterweise ist auch die Rückseite bemalt, so dass ein „doppeltes“ Bild entsteht. Auf dem rückseitigen weiß-blauen Grund scheint die Farbe zu gerinnen. Hierüber hat Schumacher in großen schwarzen und dynamischen Linien seine Signatur gesetzt.

Anm.:
1) „Emil Schumacher – letzte Bilder 1997-1999“, Ausst.-Kat. Heidelberger Kunstverein,
Heidelberg 2000, S. 17.
2) Karl Ruhrberg, in: „Emil Schumacher“ Ausst.-Kat., Düsseldorf, S. 7.
3) A usst.-Kat. Heidelberger Kunstverein, S. 17.
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