Überblick Heinrich Nauen, Grabender Bauer, 1908
Grabender Bauer
Öl auf Leinwand ; 1908 ; 70 x 60 cm
Rückseitig signiert, datiert und "W.K.2.II." bezeichnet
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Privatsammlung Walter Kaesbach Stadtmuseum Mönchengladbach (seit 1922); 1937 Beschlagnahme durch die Nationalsozialisten im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“; Bernhard Boehmer, Güstrow; Privatsammlung Niedersachsen
Ausstellung:
Städtische Ausstellungshalle am Aachener Tor, "Internationale Kunstausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde zu Cöln", Köln 1912
Städtisches Museum Mönchengladbach, "Bilder, Aquarelle und Zeichnungen. Rohlfs, Nauen, Feininger, Heckel, Nolde im Städtischen Museum Mönchengladbach", Mönchengladbach 1922
Galerie Alfred Flechtheim, "Erste Kollektivausstellung. Heinrich Nauen", Düsseldorf 1914
Stiftung Dr. Walter Kaesbach im Karl-Brandts-Haus Mönchengladbach, "Bilder, Aquarelle, Zeichnungen. Campendonk, Feininger, Heckel, Kirchner, Lehmbruck, Macke, Müller, Nauen, Nolde, Pechstein, Rohlfs, Schmidt-Rottluff", Mönchengladbach 1928
Literatur:
Max Creuz, "Heinrich Nauen", Mönchengladbach 1926
Fritz Malcomess/Klara Drenker-Nagles, "Heinrich Nauen, 1880-1940: Monographie und Werkverzeichnis", Köln 1996
Städtisches Kunstmuseum Bonn/Kaiser Wilhelm Museum Krefeld/Von der Heydt-Museum Wuppertal, "Die Rheinischen Expressionisten. August Macke und seine Malerfreunde", Ausst.-Kat., Recklinghausen, 1979
Albert Braun, "Heinrich Nauen – der Maler des Niederrheins"; in: Die Heimat, 42/1971
Franz Roh, "Entartete Kunst. Kunstbarbarei im dritten Reich", Hannover 1962
Städtisches Museum Mönchengladbach, "Oskar-Kühlen-Stiftung. Bestandskatalog II. Heinrich Nauen. Mit einem Beitrag über Dr. Walter Kaesbach und seine Stiftung", Mönchengladbach 1958
Stiftung Dr. Walter Kaesbach im Karl-Brandts-Haus Mönchengladbach, "Bilder, Aquarelle, Zeichnungen. Campendonk, Feininger, Heckel, Kirchner, Lehmbruck, Macke, Müller, Nauen, Nolde, Pechstein, Rohlfs, Schmidt-Rottluff", Ausst.-Kat., Mönchengladbach 1928
Paul Brandt, "Schaffende Arbeit und bildende Kunst. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart", Leipzig 1927
Edwin Suermondt, "Heinrich Nauen", in: Der Cicerone, 14/1922
Edwin Suermondt, "Heinrich Nauen.", (Junge Kunst Bd. 29), Leipzig 1922
Städtisches Museum Mönchengladbach, "Bilder, Aquarelle und Zeichnungen. Rohlfs, Nauen, Feininger, Heckel, Nolde im Städtischen Museum Mönchengladbach", Ausst.-Kat., Mönchengladbach 1922
Galerie Alfred Flechtheim, "Erste Kollektivausstellung. Heinrich Nauen", Ausst.-Kat., Düsseldorf 1914
Städtische Ausstellungshalle am Aachener Tor, "Internationale Kunstausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde zu Cöln",Ausst.-Kat., Köln 1912
Hermann von Wedderkop, "Führer zur Sonderbundausstellung 1912", Köln 1912
Dr. P. J. C., "Mönchengladbach. Walter Kaesbachstiftung", in: Hellweg, 2/1922
Edwin Suermondt, "Heinrich Nauen", in: Jahrbuch der Jungen Kunst, 3/1922
Unsere in leuchtenden Ölfarben bemalte Leinwand zeigt einen Bauern bei der Feldarbeit. Der Körper des Mannes ist tief über den Spaten gebeugt, mit dem er die brachliegende Erde mühsam umgräbt. Barfüßig steht der Arbeiter im Feld, seine wenigen Habseligkeiten – ein Hut und eine Flasche – liegen neben ihm im Gras. Die ihn umgebende Landschaft erstreckt sich leicht ansteigend bis zum Horizont. Die Umrisslinien des Landarbeiters sind nur zart angedeutet, wodurch die Gestalt fast mit der im Hintergrund dargestellten ländlichen Umgebung verschwimmt. Diesen Eindruck verstärkt auch die Farbwahl, die sich nicht an natürliche Vorgaben hält, sondern frei interpretiert ist. Nauen lässt die Erde in leuchtendem Pink und loderndem Orange erstrahlen, der Strohhaufen ist nicht nur in einem natürlichen Gelbton umgesetzt, sondern von Pinselstrichen in allen nur erdenklichen Farbtönen durchsetzt. Dieser freie Umgang mit Farbe verleiht dem Werk eine ungeheure Intensität und atmosphärische Dichte und lässt die einzelnen Farbtöne umso intensiver erstrahlen. Heinrich Nauen betont in seiner bildfüllenden, monumentalisierten Darstellung des Bauern das Mühevolle des Landlebens. Thematisch lässt sich hier eine große Nähe zu den Werken François Millets und Vincent van Goghs nachweisen, denn auch bei ihnen nimmt das bäuerliche Leben einen großen Stellenwert im künstlerischen Gesamtwerk ein. Klara Drenker-Nagels, die Autorin des Werkverzeichnisses betont in ihrer Untersuchung, dass „kein anderes Thema [...] den Künstler so häufig und intensiv gefesselt hat, wie das Sujet des auf dem Feld arbeitendenMenschen.“1
Dass es sich bei unserem Werk um ein besonders herausragendes Beispiel handelt, belegt unter anderem auch die Tatsache, dass es bereits 1912 auf der Kölner „Sonderbund“-Schau, einer der wichtigsten Ausstellungen zur Kunst der europäischen Moderne vor dem Ersten Weltkrieg, zu sehen war. Auch die Provenienz des Werkes ist außergewöhnlich, befand sich die Arbeit doch jahrelang in der Sammlung des Museumsdirektors Walter Kaesbach aus Mönchengladbach, der mit der Entdeckung und Förderung zahlreicher junger Künstler einen wichtigen Beitrag für die Fortentwicklung des Expressionismus in Deutschland leistete.


Anm.:
1) Fritz Malcomess/Klara Drenker-Nagles, „Heinrich Nauen, 1880-1940: Monographie und Werkverzeichnis“, Köln 1996, S. 56.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com