Überblick Michael van Ofen, Landschaft, 1990
Landschaft
Öl auf Leinwand ; 1990 ; 100 x 140 cm
Rückseitig signiert und datiert
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Privatsammlung Brüssel
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2012", Düsseldorf 2012
„Die Kunst dieses Malers ist vor allem eine Kunst des Weglassens.“1)
Der 1956 geborene und in Düsseldorf lebende Maler Michael van Ofen begann seine künstlerische Laufbahn nicht als Maler sondern zunächst als Fotograf. Erst nach einigen Jahren widmete er sich ausschließlich der Beschäftigung mit Pinsel und Leinwand und schließt im Jahr 1982 sein 1974 an der Düsseldorfer Kunstakademie begonnenes Studium als Meisterschüler von Gerhard Richter ab. Die einmal getroffene Entscheidung für die Ölmalerei hat bis heute Bestand. Seit nunmehr über 30 Jahren malt er ausschließlich in diesem Medium. Thematisch beschränkt sich der Düsseldorfer Künstler vor allem auf die traditionellen Gattungen wie Landschaften und Portraits. Seine Inspiration findet er dabei vorzugsweise in der Kunst des 19. Jahrhunderts: Neben Altmeistern wie Frans Hals und Jacques Louis David dienen ihm auch historische Gemälde weniger bekannter Maler als Vorlage.
Van Ofens Arbeiten entstehen häufig nach fotografischen Vorlagen. Diese abstrahiert er, unter Verzicht auf vorbereitende Skizzen, jedoch insoweit, dass seine Bildwerke schlussendlich motivisch auf das Nötigste reduziert sind und einen skizzenhaften Charakter aufweisen. Die traditionelle Technik der Nass-in-Nass-Ölmalerei, erlaubt es ihm, immer wieder Veränderungen vorzunehmen und das bereits Gemalte zu übermalen bzw. zu korrigieren, da die aufgetragene Farbe nur langsam trocknet. Van Ofen selbst beschreibt seine Vorgehensweise als mühsamen Prozess: „Wann immer ich mit einem Ergebnis auf der Leinwand unzufrieden bin, kann ich alles wegwischen und auf einem jungfräulichen Untergrund von vorn anfangen. Wie erbittert also der Kampf auch immer gewesen sein mag, es bleiben keine Wunden oder Narben von Fehlschlägen oder erlittenen Niederlagen zu sehen.“2)
Thematisch und motivisch lässt sich van Ofen von der sonst eher stiefmütterlich behandelten Kunst des 19. Jahrhunderts inspirieren; nichtsdestotrotz schafft er in seinen Ölgemälden jedoch Werke von ausgesprochen modernem Charakter, indem er eine ganz eigene, stark abstrahierte Bildsprache verwendet. So auch bei unserer Landschaft aus dem Jahr 1990. Das querformatige Gemälde zeigt eine Landschaftsdarstellung in Gelb-, Ocker- und Brauntönen, wobei die Farben zum oberen Bildrand hin immer heller und durchscheinender werden. Die dargestellten Felder und Äcker sind nur angedeutet und äußerst schemenhaft auf die Leinwand aufgebracht. Die gesamte Komposition wird von Linien, vor allem von Diagonalen und Waagerechten. Mithilfe einer minimalistischen, stark abstrahierten Darstellungsweise reduziert der Künstler das Sujet auf das Nötigste, sodass nur die elementaren und unverzichtbaren Bausteine zurückbleiben, die für die Lesbarkeit der Darstellung nötig sind. Die große Kunst des Schaffens von Michael van Ofen liegt genau in dieser Gratwanderung. Durch die radikale Befreiung vom Ornament und von weiteren Details reduziert der Künstler das ursprüngliche Bild auf das ihm Wesentliche. Er lenkt den Blick des Betrachters auf die dem Werk zugrundeliegende Komposition, den Farbklang und die wiedergegebene Lichtsituation. Es scheint als wolle der Künstler der malerischen Qualität der Alten Meister nachspüren, indem er das vorgefundene Werk auf die wesentlichen Stilmittel reduziert und somit weiterentwickelt. Van Ofen schafft auf diese Weise sehr atmosphärische Bilder, die auf eigentümliche Art vertraut wirken. Der Künstler selbst bringt es auf den Punkt: „Es kommt wohl gelegentlich vor, dass einige meiner Bilder wie abstrakte Arbeiten aussehen; tatsächlich sind sie jedoch nur das Endergebnis einer Entwicklungslinie des Figurativen, die allerdings weit ins Abstrakte hineinragt.“ 3)

Anm.: 1)Wilhelm Werthern in: Le Monde diplomatique Nr. 8735 vom 14.11.2008.
2)Vgl. Jens Hoffmann: „Was Malerei und nur Malerei kann“, in: „Michael van Ofen Der Abschied der Braut“, Berlin 2011, S. 70/71.
3)Vgl. Jens Hoffmann: „Was Malerei und nur Malerei kann“, in: „Michael van Ofen. Der Abschied der Braut“, Berlin 2011, S. 70.
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