Überblick August Macke, Beim Elefanten (groß), 1913
Beim Elefanten (groß)
Bleistift auf Papier ; 1913 ; 29 x 22 cm
Rückseitig mit dem Nachlassstempel versehen und "August Macke, Beim Elefanten, 1913" bezeichnet
Provenienz:
Günther Franke, München; Sophie Franke, München; Tilly von Manz, Bayern; Privatsammlung Westdeutschland
Ausstellung:
Städtische Galerie München, "Sammlung Günther Franke – Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik", München 1960
Westfälischer Kunstverein/Westfälische Wilhelms-Universität/Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, "August Macke – Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag", Münster 1957
Kunstverein, "Meister der Moderne – Sammlung Günther Franke", Freiburg i.Br. 1952
Kunstverein Frankfurt/Neues Museum Wiesbaden/Nassauischer Kunstverein, Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst, "Gedächtnis-Ausstellung August Macke", 1920
Literatur:
Galerie Ludorff, "Meisterwerke", Kat. 123, 79, Düsseldorf, 2008
Ursula Heiderich, "August Macke – Zeichnungen – Werkverzeichnis", Stuttgart 1993
Städtische Galerie München, "Sammlung Günther Franke. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik", München 1960
Carl Bänfer, "August Macke – Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag", Münster 1957
Im Frühjahr 1907 entdeckt August Macke auf einer Studienreise in Basel Photographien von Arbeiten französischer Impressionisten. Tief beeindruckt davon, drängt es ihn, diese Werke im Original kennen zu lernen. Durch die Unterstützung von Bernhard Koehler, Kunstmäzen und Onkel seiner zukünftigen Frau Elisabeth Gerhardt, reist er kurz darauf nach Paris. Die intensive Auseinandersetzung mit den Impressionisten führt Macke zu einem wichtigen Thema, der Darstellung des Lichtes.
Die Übersiedlung an den Tegernsee in Bayern im Herbst 1908 fördert die Freundschaft mit Franz Marc, der ihn mit dem Kreis um Wassily Kandinsky bekannt macht. Die gemeinsame Arbeit am Almanach „Der Blaue Reiter“ führt ihn zu einer Annäherung an die gleichnamige Künstlervereinigung und er nimmt in den Jahren 1911 und 1912 an beiden gleichnamigen Ausstellungen der Gruppe teil.
Prägend ist für Macke seit 1912 auch die Auseinandersetzung mit dem Kubismus und dem italienischen Futurismus, die ihn zu einer Rhythmisierung der Formen führt, wobei er seine ganz spezifische Motivwelt beibehält. Die Kenntnis der Arbeit von Robert Delaunay ist zudem von entscheidender Bedeutung für Mackes Farbspektrum. In Mackes Kunst vollzieht sich zwischen 1911 und 1913 eine entscheidende Fortentwicklung, die ihm zu einer exponierten Stellung in der avantgardistischen Kunstszene verhilft.1)
Der Künstler beschäftigt sich in zahlreichen Variationen mit flanierenden Passanten und Spaziergängern unter Bäumen, am See oder auf den Straßen, die – ähnlich wie die Straßenszenen Kirchners – zu den herausragenden Errungenschaften des Expressionismus gezählt werden müssen. Das Motiv der Zoobesucher vor den Gehegen von Papageien, Flamingos oder Tigern zieht Macke wiederholt in seinen Bann. 1912 entsteht das Gemälde „Zoologischer Garten I“ und zahlreiche Studien folgen für das geplante Triptychon „Großer Zoologischer Garten“. Dass diesen vorbereitenden Studien und Zeichnungen jedoch nicht nur der Stellenwert einer Vorarbeit beigemessen werden kann, sondern dass sie vielmehr als eigenständige und vollwertige Zeichnungen zu bewerten sind, verdeutlicht unser Blatt „Beim Elefanten“ von 1913.
Eine kleine Figurengruppe steht, vom Betrachter abgewandt, in einiger Entfernung zum Gehege des Elefanten. Die Personen sind genau beobachtet und in sorgfältig geführter Strichführung wiedergegeben. Hüte, Frisuren, Kleidung und Kragen sind präzise ausformuliert. Von hier ausgehend wird der Blick zu einer zweiten Personengruppe im Bildmittelgrund weitergeleitet, vor der sich der imposante Dickhäuter erhebt. Auch hier setzt Macke Linien und Schraffuren mit Bedacht. Kontrastierend zur sorgfältig gezeichneten figürlichen Binnenzeichnung ist die Darstellung der Umgebung, in welche sie eingebettet ist. Schwungvoll neigt sich vom linken Bildrand ausgehend ein mächtiger Baum über Mensch und Gehege. In schnellen Schraffuren charakterisiert Macke das Blattwerk als umschließendes und verbindendes Element der dargestellten Szene. Das Licht, welches durch die dichten Baumkronen fällt, wirft kantige Schatten auf den Boden und weist auf Mackes eigenständige Verarbeitung kubistischer Einflüsse hin. Ein starker Hell-Dunkel-Kontrast betont dabei die Plastizität des Dargestellten und unterstreicht die von Macke angestrebte Lebendigkeit in der künstlerischen Arbeit. Unser Blatt, in dem sich die zeichnerische Meisterschaft des noch jungen Künstlers ausdrückt, ist ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie sich Macke vergangene und aktuelle Kunsttendenzen zu Eigen macht, sie selektiv in sich aufsaugt, um daraus ein ganz eigenständiges, charakteristisches Formenrepertoire zu entwickeln.

Anm.:
1) Vgl. Erich Franz, „August Macke – Form und Lebendigkeit“, in: Magdalena M. Moeller (Hg.), „August Macke und die Rheinischen Expressionisten“, Ausst.-Kat. Brücke-Museum Berlin und Kunsthalle Tübingen, München 2002, S. 39ff.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com