Überblick Andy Warhol, Ohne Titel (Three Figures Seated at a Round Table), ca. 1958
Ohne Titel (Three Figures Seated at a Round Table)
Tusche auf Papier ; ca. 1958 ; 74 x 58 cm
Signiert sowie rückseitig mit dem Nachlassstempel versehen und "VF" sowie "332.011" beschriftet
Provenienz:
Andy Warhol Foundation, New York; David Nolan Gallery, New York; Privatsammlung Rheinland
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Drawn World: Zeichnungen von Menzel bis Warhol", Düsseldorf 2019
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühling 2017", Düsseldorf 2017
Literatur:
Galerie Ludorff, "Drawn World: Zeichnungen von Menzel bis Warhol", Düsseldorf 2019
Warhol zeigt uns in dieser frühen Tuschezeichnung ein Interieur mit drei Personen, die um einen Tisch sitzen. Die gesamte Szene ist sehr konzentriert: sowohl die Darstellung, die nur das Motiv in der Bildmitte zeigt und zu den Rändern ausläuft – als auch die Figuren, die sich ihrer Lektüre widmen. Im Kontrast dazu schaut die Frau im Vordergrund versonnen nach links. Sie hält ihre Brille in der Hand, scheint also eben auch noch gelesen zu haben und nun über das Gelesene nachzudenken. Warhol hebt sie im Bild besonders hervor, indem er ihren Pullover schwärzt und ihr damit mehr als nur eine Konturlinie zugesteht. Bekrönt wird die Szene von einem großen Lampenschirm, der ebenfalls besonders die Verträumte hervorhebt. In den 1950er Jahren ist Warhol bereits sehr erfolgreich als Illustrator für Mode-, Hochglanz und Lifestyle- Magazine tätig. 1956 stellt er als Grafiker im New Yorker Museum of Modern Art aus. Bevor er in den 1960er Jahren beginnt, das Siebdruck-Verfahren für seine Kunstwerke zu nutzen, bevorzugt er das »blotted line drawing« – eine Technik, die Warhol selbst entwickelt hat und die sehr typisch für sein Frühwerk ist. Dabei wird eine Vorlage durch ein nicht saugfähiges Papier mit Tusche abgepaust. Anschließend wird ein saugfähiges Papier auf die abgepauste Darstellung gedrückt, das die feuchte Farbe aufnimmt. Warhol überträgt in diesem Verfahren nach und nach jede einzelne Konturlinie der vorliegenden Fotografie auf das Zeichenpapier. So entsteht in Handarbeit, aufgrund der kurzen Trockenzeit der Farbe, eine Zeichnung aus unterschiedlich dicken, teils unterbrochenen Tuschelinien. Warhol nennt die minimal ausufernden Stellen dieser Linien »blots« (Kleckse). Bereits in diesem frühen Blatt deutet sich die intensive Auseinandersetzung Warhols mit der graphischen Reduktion an, die ihn ab der Mitte der 1960er Jahre mit seinen maschinell produzierten, starkfarbigen Siebdrucken alltäglicher Gegenstände und Berühmtheiten der Popkultur vom erfolgreichen New Yorker Graphiker zu einem weltweit gefragten Künstlerstar werden lässt.
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