Überblick Otto Piene, Rauchzeichnung, 1960
Rauchzeichnung
Ruß auf Papier ; 1960 ; 50 x 65 cm | 19 2/3 x 25 2/3 in
Signiert, betitelt und "60" datiert sowie rückseitig von fremder Hand "Rauchzeichnung 1; dessin à la fumée; Otto Piene; Düsseldorf; Cranachstr. 32" bezeichnet
Provenienz:
Atelier des Künstlers; Privatsammlung; Privatsammlung USA
Ausstellung:
Yayoi Kusama Museum, "Zero Is Infinity", Tokyo 5.3.-31.5.2020
Galerie Ludorff, "Drawn World: Zeichnungen von Menzel bis Warhol", Düsseldorf 2019
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2017", Düsseldorf 2017
Literatur:
Galerie Ludorff, "Drawn World: Zeichnungen von Menzel bis Warhol", Düsseldorf 2019
»Die Vibration ist die lebendig gewordene Nuance, die den Kontrast verbietet, die die Tragödie beschämt, das Drama verabschiedet; das Vehikel der Frequenzen, das Blut der Farbe, der Puls des Lichts, die reine Emotion, die Reinheit des Bildes, die reine Energie.»1
Energie in ihren unterschiedlichen Formen gibt den Impuls für das Schaffen von Otto Piene. Wie kaum ein anderer Künstler des 20./21. Jahrhunderts er­gründete der Künstler die Natur und ihre Transformation zu Kunst. Als Mitbegründer der Gruppe ZERO (1957-1966), Künstler, Professor für Umweltkunst (1972-1974) und Direktor des Center of Advanced Visual Studies (1974-1994) am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge nahe Boston studierte Piene die Unaufhörlichkeit des Lebendigen und erklärte die physikalischen Phänomene zum Ausgangspunkt seiner Experimentreihen. In den Rauchzeichnungen, die seit 1959 entstehen, eliminiert Piene jede Art der künstlerischen Handschrift und versucht, die unzähmbar scheinende Natur in menschgeschaffene Bahnen zu lenken und diese zu ordnen. Indem der Künstler die beiden Abfallprodukte von Feuer – nämlich Rauch und Ruß - durch perforierte Platten oder Folien auf den Bildträger lenkt, ist er nicht nur in der Lage, das Feuer sichtbar zu machen. Durch die Überlagerung einzelner Rußpunkte und ganzer Ketten horizontal verlaufender Rußpunkte entsteht ein Band, das sich von innen nach außen lichtet und dessen Rußpunkte sich zu »Einheiten« bündeln und die Darstellung in Unruhe und Bewegung versetzen. Auf diese Weise gelingt es dem Künstler die reale Energie des Feuers zweidimensional zu verbildlichen. Das Feuer wird zum bildbestimmenden Faktor.
Obwohl die Rauchzeichnungen ohne unmittelbaren Kontakt der Hand des Künstlers entstehen, machen sie die ihnen zugrundeliegende Idee des Künstlers sichtbar, nämlich dass alles, Bild, Farbe, Licht, Vibration und reine Energie die »Unaufhörlichkeit und die Unauslöschbarkeit des Lebendigen«2 bedeuten.

1. Otto Piene, »Was ist ein Bild?«, in: Ante Gilbota, »Otto Piene«,
Villorba 2011, S. 109.
2. Ebd.
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