Überblick Max Liebermann, Enkelin und Kinderfrau im Wannseegarten, 1923
Enkelin und Kinderfrau im Wannseegarten
Öl auf Leinwand ; 1923 ; 50 x 70 cm
Signiert und datiert
Provenienz:
Sammlung Georg Richters, Wiesbaden; Lempertz Köln (1951); Lempertz Köln (1988, Aukt. 628, lot 548); Gemälde-Cabinett Unger, München (1988); Privatsammlung (bis 2014); Privatsammlung
Ausstellung:
TEFAF 2019, Maastricht 13. - 24.03.2019
Literatur:
C.A. Breuer (Hg.),"Weltkunst", Jg. LVIII, Heft 9, München 1988
1909 erwirbt Max Liebermann eines der letzten Grundstücke in der sogenannten Alsen-Siedlung am Wannsee und lässt sich dort ein großzügiges Landhaus mit Atelier bauen. Gleich mit der Fertigstellung des Hauses, beginnt er mit der Planung des mehr als 7000 Quadratmeter großen parkähnlichen Gartens, der ihm bis zu seinem mTode 1935 eine Vielzahl unterschiedlicher Motive schenken wird. Ansichten des Gartens rund um sein Landhaus sind zahlreich in Liebermanns OEuvre vertreten. Sie entstehen üblicherweise während seiner Aufenhalte in den Sommermonaten. Gerne lässt er sich dort von der geballten Blumen- und Farbenpracht inspirieren.
Unser Gemälde von 1923 schildert das Beisammensein mit seiner geliebten Enkelin Maria Riezler und ihrer Kinderfrau an einem heiteren Sommertag. Die Beiden befinden sich auf der zum Wannsee gelegenen Rückseite des Gebäudes auf einer Parkbank. Während die Kinderfrau sich dem Stricken widmet, spielt die Enkelin mit ihrem Puppenwagen. Liebermann wählt den Betrachterstandpunkt nahe am Boden in nächster Nähe zum Blumenbeet im Vordergrund. So wird die Figurengruppe aus leichter Unteransicht gesehen und leicht durch die Blumen im Vordergrund verdeckt. Das weiße Kleid der Enkelin strahlt im Sonnenschein und obwohl sie sich wie auch die Kinderfrau im Hintergrund befindet, antwortet dieses leuchtende Weiß sehr deutlich auf das satte Grün der Wiese und der Hecke wie auch auf das Rot der Blumen. Deutlich bringt Liebermann in dem Gemälde seine tiefe Zuneigung der Enkelin gegenüber zum Ausdruck, doch scheint er keineswegs bei der Schilderung dieser niedlichen Idylle verharren zu wollen. Ganz im Gegenteil,
meidet er bewusst bestimmte Details, wie etwa die Gesichtszüge der Enkelin, um etwas Anderem Raum zu lassen: Dem üppigen Farbenspiel der Natur. Die Gartengemälde stellen in ihrer Gesamtheit so etwas wie ein Porträt der Schönheit der Anlage dar, dessen Facetten Liebermann ohne Müdigkeit auf der Leinwand festzuhalten sucht. Wie ein Kartograf erfasst er nahzu jeden Winkel und probiert sich immer wieder auch an neuen Kompositionen und Blickwinkeln aus. Und doch widmet er sich aufmerksam der Darstellung der Figuren, ohne sie als bloße Staffage in der Landschaft zu belassen. Tatsächlich bringt das zeitgleiche Interesse Liebermanns für die dargestellten Personen wie auch für die Schönheit der Anlage als Ort sinnlichen Vergnügens sein zentrales Interesse zum Ausdruck: Die Interaktion zwischen Mensch und Natur.
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