Überblick Bernd & Hilla Becher, Getreidesilo, Passau, D, 1988
Getreidesilo, Passau, D
Silbergelatineabzug auf Barytpapier ; 1988 ; 50 x 59 cm
Rückseitig von beiden Künstlern signiert, betitelt, datiert, "Ed. 1 /5" nummeriert und "p 142" beschriftet
Provenienz:
Fraenkel Gallery, San Francisco (bis 2003); Privatsammlung San Francisco
Literatur:
Bernd und Hilla Becher, "Getreidesilos", München 2006
Bernd und Hilla Becher zählen zu den großen Dokumentaristen unserer Zeit. Ihre Schwarzweiß-Fotografien zeigen typologisch geordnete Serien, die systematisch über einen langen Zeitraum erfasst und vielfach die mittlerweile zerstörten Zeugnisse unserer industriellen Vergangenheit
belegen: Fabrikhallen, Hochöfen, Förder- und Wassertürme, Gasbehälter, Kohlebunker, Nutzbauten der Industrielandschaft. Die Fotoserien dokumentieren die Vielgestaltigkeit der industriellen Architektur und eröffnen dem Betrachter eine verloren gegangene Ikonografie.
In den 50er/60er Jahren hatten die »Sakralbauten der Technik« im post-industriellen Zeitalter ihre ursprüngliche Funktion verloren und waren vom unmittelbaren Abbruch bedroht. Das Ehepaar Becher machte sich zur Aufgabe, die Reliquien der industriellen Vergangenheit fotografisch in Deutschland, England, Frankreich und den USA festzuhalten. Sie entschieden sich bewusst, die »Sachen zu verkleinern und mitnehmen zu können« (Bernd Becher). Gezielt widmeten sie sich der Vergangenheit, gleichwohl die journalistische Fotografie zu der
Zeit stets im Vordergrund stand.
Als Wegbegleiter der »Düsseldorfer Photoschule«, schuf das Fotografenehepaar mit ihrer Enzyklopädie der Industriearchitektur eine neue Wahrnehmungsästhetik. Durch ihre Arbeitsweise, die Objekte möglichst neutralund einheitlich zu erfassen und zu klassifizieren, gelang es ihnen die Bauten als solche in den Vordergrund zu stellen.
Das Hauptaugenmerk, das von den Bechers als archäologisch bezeichneten Interesses, galt aber nicht nur einzelner Bauten, sondern dem Bautypus. So fassen sie in ihren Werken über Jahrzehnte hinweg Gebäude gleicher Funktion an unterschiedlichen Orten zu Gruppen zusammen, um den Vergleich diverser, regional oder historisch bedingter Formenprägungen zu ermöglichen. Das methodische Vorgehen blieb dabei stets dasselbe: jedes Objekt wird bei möglichst diffusem, schattenlosem Licht von leicht erhöhten Stadtpunkt aus fotografiert und ins Zentrum gesetzt.
Besonders gut fügt sich auch unsere weitere Arbeit »Passau« (1988) in die Werkreihe ein. Nach Bechers Auffassung sind die Gebäude »Skulpturen«, die in das Landschaftsbild ragen, welche zu einem streng dokumentarischen Ansatz verpflichten. Faszinierend ist, dass trotz ihrer Zurücknahme subjektiver Interpretation, und der damit einhergehenden Anonymität, ihre künstlerische Handschrift erst recht unverwechselbar wird.
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