Überblick Josef Albers, Homage to the Square: Edition Keller Ig, 1970
Homage to the Square: Edition Keller Ig
Farbserigrafie auf Hahnemühle Buttenboard ; 1970 ; Darstellung: 35 x 35 cm | 13 13/16 x 13 13/16 in Blatt: 55 x 55 cm | 21 11/16 x 21 11/16 in
Signiert und datiert "A'70" sowie "EK Ig" betitelt und "61-125" nummeriert
Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland
Literatur:
Brenda Danilowitz, "The Prints of Josef Albers. A Catalogue Raisonné 1915-1976", Manchester 2010
Josef Albers beginnt seine berühmte Serie der sogenan­nten »Homages to the Square« erst in relativ hohem Alter. Nachdem er in Europa bereits erfolgreich als Künstler und Lehrer am Bauhaus gearbeitet hatte, wandert er 1933 mit seiner Frau Anni auf Einladung des Black Mountain College, wo beide einen Lehrauftrag wahrnehmen, nach Amerika aus. Hatte er sich in Deutschland vorrangig mit Zeichnung und Glas beschäftigt und in den USA zunächst aus Materialknappheit mit Druckgraphik, beginnt er 1949/50, im Alter von 62 Jahren, sich mit einer immensen wissenschaftlichen Neugier nahezu ausschließlich mit Malerei und der Wirkungsweise der Farben zu beschäftigen.
Seine Aufmerksamkeit gilt vorrangig den wechselseitigen Beziehungen der Farben, die er für seine formal äußerst vereinfachten, minimalistischen Gemälde übereinander­liegender Quadrate verwendet. Mittels sensibel gewählter Farbkombinationen suggeriert der Künstler nicht nur Dreidimensionalität. Auch die deutliche Beeinflussung der Wahrnehmung eines Farbtons durch den in direkter Umgebung befindlichen Farbton verdeutlicht der Künstler anhand seiner systematischen Malerei mit ungemischten, industriell gefertigten Farben. Der Künstler beschreibt diese Phänomene als Diskrepanz zwischen physiologischem Faktum und psychologischem Effekt. Sein Anliegen ist es, dem Betrachter zu vermitteln, dass Farbe immer Täuschung ist und wir sie nie als das sehen, was sie wirklich ist.
Die Werke sind jedoch nicht bloßer Ausdruck der Freude am Experiment mit Farbe. Trotz ihrer Rationalität und minimalistischen Reduktion, spricht aus ihnen die emotionale Stimme des Künstlers: »Color in my opinion behaves like man – in two distinct ways: first in self-realization and then in the realization of relationships with others. In my paintings I have tried to make two polarities meet – independence and interdependence […]. One must combine both being an individual and being a member of society.«1
Die Graphiken des SP-Portfolios verdeutlichen diese Intentionen auf eine ganz klare Art und Weise. Auf dem Blatt SP-III werden die drei grauen Flächen, die sich vom Zentrum hin nach Außen abschwächen von einer inten­siven, grünen Fläche umrandet. Während die Grautöne für sich gesehen allesamt als neutral angesehen werden müssen, verfärbt sich die gesamte Wahrnehmung durch die Präsenz des Grüns, sodass auch die inneren Felder minimal grün wirken. Im Blatt SP-VI setzt Albers mehrere intensive Farben gegeneinander. In ihrer Kombination potenzieren sich diese in ihrer Leuchtkraft. Im Vergleich zu den Gemälden, die bei aller Strenge noch eine künstlerische Handschrift, einen Duktus bzw. eine unebene Maloberfläche dulden, erreicht Albers im Siebdruckverfahren einen nahezu vollkommenen Grad an industrieller Perfektion, der es ihm ermöglicht, seine Ideen einem großen Publikum zugänglich zu machen.

1 »Meiner Meinung nach verhält sich Farbe wie ein Mensch – auf zwei verschiedene Weisen: zunächst als Individuum und dann in Relation zu anderen. In meinen Bildern habe ich versucht, diese beiden Pole zu verbinden – Unabhängigkeit und Abhängigkeit […]. Man muss beides kombinieren, ein Individuum zu sein und ein Mitglied der Gesellschaft.«, vgl. Katherine Kuh, »The Artist’s Voice. Talks with seventeen artists«, New York 2000, S. 11.
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