Überblick Lesser Ury, Straßenszene bei Regen, 1926
Straßenszene bei Regen
Öl auf Malkarton auf Holz montiert ; 1926 ; 9 x 15 cm
Signiert
Provenienz:
Privatsammlung; Galerie Ludorff, Düsseldorf (1989); Privatsammlung Norddeutschland (seit 1989)
Nach einem Studium der Malerei in Düsseldorf und langjähriger Reise durch Europa zieht es den preußischen Künstler Lesser Ury im Jahre 1887 zurück nach Berlin. Schnell stellt er fest, dass sich das Gesicht der Metropole in seiner Abwesenheit grundlegend verändert hat. Zu den
Pferdebahnen und -droschken gesellen sich nun immer häufiger elektrische Straßenbahnen und Automobile. Gaslaternen erhellen die Geschäfte und Gehsteige auch am späten Abend. Der Maler zeigt sich von diesen Neuerungen tief beeindruckt und das bewegte Straßenleben fasziniert ihn. Was ihn besonders beschäftigt, ist das Aufflammen der Lichter, die Spiegelungen im Wasser als auch die Reflexionen des Himmels. Genau eben jene Effekte versucht Ury in einer Reihe kleiner Ölbilder möglichst genau wiederzugeben.
Unser Gemälde zeigt eine lebendige Straßenszene im Regen. Rechts und links flankieren Baumalleen die gen Bildhintergrund laufende nasse Straße, die von Autos und Straßenbahnen befahren und eilig von einzelnen Fußgängern überquert wird. In pastoser Manier fügt Ury aus
kleinen Farbflecken Flächen zusammen. Diese gezielt eingesetzten Flecken von intensiver Farbigkeit sind nicht im Sinne eines reinen impressionistischen Programms zu verstehen. Vielmehr versucht Ury den Tonwert der Farbe direkt zu fixieren. Anhand solcher Details zeigt sich seine Meisterschaft im Darstellen von alltäglichen Darstellungen und atmosphärischen Phänomenen. Ganz in der Tradition Adolph Menzels, doch mit sehr viel stärkerem Interesse für malerische Lichtbrechungen und Beleuchtungseffekte, gelingt es ihm den Zeitgeist der Belle Époque einzufangen. Keiner vor oder nach Ury hat das Aufreizende und Nervenprickelnde des mondänen Lebens einer Großstadt in seiner kaleidoskopartigen Bewegung so eindringlich und in immer neuen Variationen wiedergegeben. Es sind keine Szeneschilderungen, sondern optische Erlebnisse, die er mit einer außergewöhnlichen Sensitivität einzufangen weiß.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com