Überblick Jasper Johns, Untitled I, 1976
Untitled I
Aquatinta auf Papier von Auvergne ; 1976 ; Darstellung: 33 x 49,5 cm / 13 x 19 1/2 in Blatt: 51,5 x 66 cm / 20 1/4 x 26 in
Signiert, datiert und "38 /55" nummeriert
Provenienz:
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Literatur:
Universal Limited Art Editions (Hg.),"The prints of Jasper Johns. 1960-1993. A catalogue raisonné", New York 1994
Wie viele andere einflussreiche Künstler der amerikanischen Pop Art schlägt sich auch Jasper Johns nach seinem Kunststudium an der University of South Carolina Anfang der 50er Jahre zunächst als Grafiker und Dekorateur durch. Als Schaufenstergestalter für Tiffany’s lernt er
Robert Rauschenberg kennen, der nicht nur großen Einfluss auf seine künstlerische Arbeit ausübt, sondern bis zu dessen Lebensende zu einem seiner engsten Weggefährten wird. Mitte der 1950er Jahre entstehen die ersten nFlaggen-, Zielscheiben- und Zahlenbilder, mit denen Johns die entscheidenden Weichen für die Entwicklung der amerikanischen Pop Art stellt. Mit seinen zahlreichen Varianten der amerikanischen Nationalflagge, die er maßstabgerecht
und farbgetreu auf den Bildträger überträgt, distanziert sich der Künstler von der Absolutheit des
Abstrakten Expressionismus, der in der amerikanischen Kunst der 40er und 50er Jahre vorherrschend war. Wie schon bei René Magritte einige Jahre zuvor, ist auch bei Jasper Johns die Frage nach der Identität von Ding und Bild, von Wirklichkeit und Kunst für seine künstlerische Arbeitsweise richtungsweisend: »Ist es eine Flagge oder ist es ein Bild?« Johns will – ganz im Sinne der späteren Concept Art – feste Wahrnehmungs- und Denkmuster aufbrechen.
Zwischen 1970 und 1980 entstehen Bilder, in denen Johns mit den Möglichkeiten und Wirkungsweisen der sogenannten Kreuzschraffur experimentiert. Die Kreuzschraffur ist eine grafische Methode, mit der sich bildnerisch Tiefe und Volumen und somit die Illusion von Licht
und Raum herstellen lässt. In »Untitled I« schafft Johns durch die systematische Platzierung von in unterschiedliche Richtungen ausgerichtete Schraffuren den Eindruck eines flachen, wogenden Raums, der an der Mittelachse des Bildes gespiegelt scheint. Die Methode erinnert an
das von den Surrealisten Anfang des 20. Jahrhunderts konzipierte Spiel »Le Cadavre Exquis« (dt. die vorzügliche Leiche), bei dem ein Blatt Papier herumgereicht wird, auf dem die Teilnehmer Zeilen niederschreiben oder Zeichnungen hinterlassen können, ohne zu wissen, was ihre Vorgänger jeweils hinterlassen haben. Mit dieser in einer Gruppe von Gemälden und Papierarbeiten zur Anwendung gebrachten Methode entwickelt Jasper Johns ein neues Modell der malerischen Abstraktion, das weder streng geometrisch noch reduktiv ist.
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