Überblick Gerhard Richter, Grün - Blau - Rot Zu 789 (B.R.), 1993
Grün - Blau - Rot Zu 789 (B.R.)
Öl auf Leinwand ; 1993 ; 30 x 40 cm
Rückseitig signiert, "93" datiert und "Zu 789 (B.R.)" bez.; Auf dem Keilrahmen "Edition for Parkett no. 35" gestempelt
Auf dem Keilrahmen "Edition for Parkett no. 35" gestempelt
Provenienz:
Privatsammlung Rheinland
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2012", Düsseldorf 2012
Literatur:
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Frühjahr 2009", Kat. 127, Düsseldorf 2009
Hubertus Butin/Stefan Gronert, "Gerhard Richter. Editionen 1965-2004: Catalogue Raisonné", Ostfildern-Ruit 2004
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hg.), "Gerhard Richter. Werkübersicht/Catalogue raisonné 1962-1993", Bd. III, Ostfildern-Ruit 1993
Gerhard Richter setzt sich seit den späten sechziger Jahren intensiv mit den Möglichkeiten abstrakter Malerei auseinander. Von den ideologisierenden Ansätzen der Nachkriegsabstraktion enttäuscht, interessieren ihn ausschließlich die malerischen Qualitäten seiner abstrakten Bilder und die Möglichkeiten des Zufalls als gestalterischem Prinzip. Anfang der neunziger Jahre entwickelt Richter für die Züricher Kunstzeitschrift Parkett auf 115 Tafeln seine wohl bedeutendste Ölbildedition „Grün-Blau-Rot“. Seiner konzeptuellen Arbeitsweise entsprechend, benennt Richter bereits im Titel die drei Komplementärfarben in der Reihenfolge, in welcher sie nacheinander in horizontalen Bahnen auf sämtliche 115 Leinwände aufgetragen werden. Mit dem Rakel, einem einer Kunststoffleiste gleichenden Malwerkzeug, legt der Maler die Ölfarbe auf und zieht diese in dünnen Farbschichten vom linken zum rechten Bildrand ab. Ob und wie sich die einzelnen Farbschichten miteinander vermischen, hängt maßgeblich von den Trocknungszuständen der unterliegenden Schichten, aber vor allem auch vom Zufall ab. So vermischen sich die Farbschichten auf jeder der Leinwände der Edition auf eine höchst unterschiedliche Art und Weise. In einigen Arbeiten dominieren weiche Farbübergänge mit hochkomplexen Detailstrukturen, die den Betrachter einladen, besonders nah an das Bild heranzutreten. In anderen Arbeiten heben sich die Farben scharf kontrastierend voneinander ab und begründen die starke Präsenz, welche einige der relativ kleinen Leinwände auch
in den größten Räumen zu erzeugen vermögen. Die Serie „Grün-Blau-Rot“ verdeutlicht mittels ihrer konzeptuellen Strenge auf eine höchst eindringliche Weise das Prinzip des abstrakten Schaffens von Gerhard Richter. Es istKünstler leitet. „Ich habe eben nicht ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, sondern möchte am Ende ein Bild erhalten,
das ich gar nicht geplant hatte. Also, diese Arbeitsmethode mit Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung lässt einen gewissen Bildtypus entstehen, aber nie ein vorherbestimmtes Bild […]. Ich möchte ja gern etwas Interessanteres erhalten als das, was ich mir ausdenken kann.“1) Trotz aller konzeptuellen Strenge gelingt es Richter immer wieder, dem Betrachter die gesamte Schönheit abstrakter Malerei vor Augen zu führen. Obwohl es sich bei den Werken „Grün-Blau-Rot“ um eine Edition von 115 Leinwänden handelt, besitzt jedes einzelne Gemälde Unikatcharakter. Auch die großen Leinwände des Künstlers werden aufgrund der langen Trocknungszeiten der einzelnen Farbschichten stets nebeneinander ausgeführt und erinnern in ihrer Farbwahl und in der Anlage häufig an das geschilderte Prinzip seriellen Arbeitens.

Anm.: 1)Hubertus Butin/Stefan Gronert (Hg.), „Gerhard Richter – Werkverzeichnis der
Editionen 1965-2004“, Ostfildern-Ruit 2004, S. 35.
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