Überblick Egon Schiele, Portrait eines Kindes (Anton Peschka, Jr.), 1918
Portrait eines Kindes (Anton Peschka, Jr.)
Buntstift auf Papier ; 1918 ; 38 x 28 cm
Signiert und datiert
Wir danken Jane Kallir für die Bestätigung der Echtheit des Werkes
Provenienz:
Nachlass des Künstlers; Privatsammlung Australien (seit Ende 1990er)
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Drawn World: Zeichnungen von Menzel bis Warhol", Düsseldorf 2019
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2019", Düsseldorf 2019
Literatur:
Galerie Ludorff, "Drawn World: Zeichnungen von Menzel bis Warhol", Düsseldorf 2019
Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2019", Kat. 171, Düsseldorf 2019
Egon Schiele war ein österreichischer Maler des Expressionismus, der mit seinen radikalen Körperbildern den Blick auf die klassische Aktdarstellung revolutionierte. Seine frühe Vorliebe für das Medium Zeichnung führte Egon Schiele bereits im Alter von 16 Jahren an die Wiener Akademie, wo er in der Klasse von Christian Griepenkerl das traditionelle Malerhandwerk erlernte. Schon als Student rebellierte Schiele gegen die rigiden Strukturen der akademischen Ausbildung und gründete mit anderen Künstlerkollegen die Wiener Neukunstgruppe, die abseits des anerkannten Kunstbetriebs progressive Ausstellungen präsentierte. Unterstützung erhielt er insbesondere auch von Gustav Klimt, der dem jungen Künstler als geistiger Mentor und Finanzier zeit seines Lebens zur Seite stand. So entwickelte Schiele schon früh seine völlig neue und eigenwillige Bildsprache, die ihm früh internationale Anerkennung verschaffte. Sein Werk kennzeichnen die Darstellungen von verdrehten, kranken Körpern, die traditionelle Schönheitsideale hinterfragen und den Reiz des Hässlichen in die Kunst einführen.
Das vorliegende Blatt, das in den letzten Schaffensmonaten der kurzen Karriere von Egon Schiele entstanden ist, ist ein Porträt seines Neffen Anton Peschka, Jr. Wenige Monate nach seiner Geburt hatte Schiele begonnen, das Kind zu zeichnen 1 und es als Vorlage für ein Gemälde einer Mutter mit zwei Kindern zu verwenden, das zwischen 1915 und 1917 entstanden ist und sich heute in der Sammlung der Österreichischen Galerie in Wien befindet. Das Blatt zeigt den Jungen auf einem Stuhl sitzend und nach vorne gerichtet, was der zweifelslos inszenierten Szene dennoch etwas eindringlich Intimes verleiht. Von den frühen Zeichnungen des Künstlers unterscheidet sich dieses Blatt insofern, als dass Schiele hier zu einem neuerlich akademischeren, traditionelleren Stil zurückfindet. Diese späten Zeichnungen des Künstlers kommentiert Jane Kallir wie folgt: »Schiele hatte endlich die perfekte Linie gefunden. In den Jahren 1917 und 1918 war er in der Regel in der Lage, seine Probanden mit einem einzigen, nahezu ununterbrochenen Schwung seiner Buntstifte zu erfassen. (…) In diesen Zeichnungen erreichte Schiele eine beispiellose Genauigkeit.«2

1. Mindestens fünf Zeichnungen von Anton Peschka, Jr. als Neugeborenes sind bekannt, alle in privaten Sammlungen (Jane Kallir, Egon Schiele: The Complete Works, New York, 1990, S.547, Nr. 1. D1702-D1706; eine davon ist in Jane Kallir, op.cit., 2003, S.355 und Klaus Albert Schröder, Egon Schiele, Ausst.-Kat., Wien, 2005-2006, S. 328-331 farbig dargestellt.
2. Jane Kallir, op.cit., 2003, S.441-442.
Für weitere Informationen senden Sie bitte eine Email an: mail@ludorff.com