Überblick Katharina Grosse, Rock, 2005
Rock
Acryl auf Carrara Marmor ; 2005 ; ca. 20 x 10 x 14 cm | 8 x 4 x 5 1/2 in
Signiert und "3 /55" nummeriert auf dem beiliegenden Zertifikat
Ein Exemplar der Edition befindet sich im Museum of Modern Art, New York
Provenienz:
Atelier der Künstlerin; Parkett Verlag, Zürich; Privatsammlung Schweiz
Mit einer Farbpistole statt mit dem Pinsel schafft Katharina Grosse Objekte, Bilder und Räume, die von der unmittelbaren und sinnlichen Wirkung der Farbe bestimmt sind. Die ersten gesprühten Arbeiten entstanden Ende der 90er Jahre und skizzieren zugleich die Überschreitung der Bildfläche in den architektonischen Raum. »Ich finde, dass ein Bild überall landen kann, auf dem Baum oder einem Stück Stein in der Straße. Ein Bild kann überall sein, das ist so wahnsinnig frei und ungebunden vom Ort, und mich fasziniert unheimlich auszuprobieren, wie un­wegsam die Oberfläche sein kann, auf der Malerei stattfinden kann«1. So werden Oberflächen von Wänden, Landschaften und Gegenständen zum Malgrund – die Drei­dimensionalität wird zur Fläche. Dem Entstehungsprozess zufolge spielt der Zufall eine große Rolle. Leuchtende und grelle Farbpartikel werden in der Luft zerstäubt und setzen sich ohne ihren direkten Kontakt auf dem Malgrund ab. Die farbintensiven Arbeiten zeugen vom Einfluss der amerikanischen Farbfeldmalerei, dem abstrakten Expressionismus, der Land Art und schließlich dem Einfluss ihres Lehrers Gotthard Graubner an der Düsseldorfer Kunstakademie. Die in Berlin lebende und an der Kunstakademie Düsseldorf lehrende Künstlerin löst die Grenzen der konventionellen Malerei auf und hinterfragt die Möglichkeiten des im letzten Jahrhundert so oft totgesagten Genres.
Der grob behauene Marmorblock schimmert je nach Ansicht und Lichteinfall in vielfachen Farben. »Rock« ist eine der seltenen kleinformatigen Arbeiten, die Katharina Grosse geschaffen hat. Grelle orangefarbene Farbpartikel werden überlagert von zarten und dennoch kräftigen Lila-Tönen. An anderer Stelle verfließen grüne und blaue Acrylfarbe, strukturiert durch die Kanten, die das Gestein natürlicherweise bildet. Der aus den Steinbrüchen von Carrara in der nördlichen Toskana stammende Marmor wurde bereits in der Bildhauerkunst der Antike verwendet, in der Renaissance verhalf schließlich Michelangelo dem »weißen Gold« zu weltweiter Berühmtheit. Durch den Farbauftrag ist das Gestein nur lediglich in der Form und Struktur erkennbar, das Objekt wurde seiner ursprünglichen Funktion beraubt. Grosse verzichtet auf den traditionellen Bildträger, die gesprüht aufgetragene und lichtechte Farbe scheint sich auf der Bildfläche unterschiedlich zu entfalten: mal zerrinnt die Farbe und zieht ihre Spur zufällig über den Stein, mal wirken die Farbschichten transparent, mal verdichtet. Die sorgsam aufgetragene Acrylfarbe veranlasst den Betrachter dazu, die rätselhafte Struktur der Überlagerungen, das Davor und Dahinter zu entziffern – zugleich ist er der starken Ausdruckskraft der Farbe ausgesetzt. Der artifiziell anmutende »Rock« veranschaulicht die Veränderbarkeit der Materialität durch Farbe und lotet die scheinbaren Gegensätze zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit, Realität und Illusion, Malerei und Bildhauerei, Fläche und Dreidimensionalität aus.

1 Freunde von Freunden, »Katharina Grosse«, Video, Berlin 2014, youtube: https://www.youtube.com/watch?v=8JsPtVXu8gc
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