Überblick Ernst Wilhelm Nay, Ohne Titel (Postkarte), 1955
Ohne Titel (Postkarte)
Aquarell und Deckweiß auf Karton ; 1955 ; 10 x 16,5 cm | 4 x 6 1/2 in
Signiert und "55" datiert sowie rückseitig nochmals signiert und “20.12.56" datiert
Rückseitig nochmals signiert und “20.12.56" datiert. Rückseitig eigenhändig beschriebene Postkarte adressiert an Prof. Dr. Will Grohmann, ebenfalls von Elisabeth Nay unterzeichnet
Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015; Staatliche Kunstsammlungen/Kunsthalle im Lipsiusbau, "Im Netzwerk der Moderne. Kirchner, Braque, Kandinsky, Klee ... Richter, Bacon, Altenbourg und ihr Kritiker Will Grohmann", Dresden 2012/2013
Literatur:
Galerie Ludorff, "Schöne Grüße. Künstlerpostkarten", Düsseldorf, 2018, S. 68/69
Galerie Ludorff, "Formen der Abstraktion", Düsseldorf 2015; Konstanze Rudert (Hg.), "Im Netzwek der Moderne. Kirchner, Braque, Kandinsky, Klee, Richter, Bacon, Altenbourg und ihr Kritiker Will Grohmann", Ausst.-Kat. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dresden 2012
Im Advent 1956 übermittelt der Künstler Ernst Wilhelm Nay gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth fröhliche Weihnachts- und Neujahrsgrüße an Prof. Dr. Will Grohmann, einem bedeutenden Kunsthistoriker, -kritiker und Förderer Moderner Kunst. Nay und Grohmann lernen sich Anfang der 30er Jahre kennen und bauen eine intensive Bindung zueinander auf, die geprägt ist durch einen inspirierenden künstlerischen Austausch. Grohmann, der sich stark für die moderne Kunstströmung seiner Zeit einsetzt, verfasst zahlreiche Artikel und Aufsätze über Nay.1 So spiegelt auch die Weihnachtskarte die freundschaftliche Beziehung der beiden Männer zueinander wider. Die schwungvolle, ausladende Schrift weckt Assoziationen zu Musiknoten. Diese eindrucksvolle Rhythmik kennzeichnet auch die Darstellung auf der Vorderseite der Postkarte. Die gegenstandslose Malerei konzentriert sich auf die Farbe, deren Einsatz zwar Spontaneität andeutet, sich aber vor allem der »[…] Grundordnung einer ›arithmetischen‹, d. h. auf dem Prinzip der Zahl und damit dem Prinzip der Wiederholung und Reihung«2 unterstellt. Das kräftige Rot und Blau wird durch die Verwendung von Schwarz zum Leuchten gebracht, welches wiederum in starkem Kontrast zu dem Weiß gesetzt wird. Dieses energiegeladene Spannungsfeld weist eine rein dekorative Absicht weit von sich und der Betrachter wird stets von Neuem von Ernst Wilhelm Nays komponierten Farbrhythmen in den Bann gezogen.

1 Magdalene Claesges (Bearb.), »E. W. Nay. Lesebuch. Selbstzeugnisse und Schriften 1931-1968«, Köln 2002, S.324. 2 Christoph Schreier »Auf der Suche nach dem Essentiellen Gedanken zur Werkentwicklung bei Nay«, in: Sigfried Gohr/Johann Georg Prinz von Hohenzollern/Dieter Ronte, »Nay – Variationen. Retrospektive zum 100. Geburtstag «, Köln 2002, S.24.
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