Überblick Käthe Kollwitz, Kindergruppe - Geschwister, 1937/38
Kindergruppe - Geschwister
Bronze ; 1937/38 ; 19 x 7 x 5 cm
Signiert auf der linken Seite des Sockels sowie Gießerstempel "H. Noack Berlin" auf der Rückseite des Sockels
Provenienz:
Privatsammlung Berlin
Ausstellung:
Galerie Ludorff, "Herbst 2014", Düsseldorf 2014
Kunstkreis Südliche Bergstraße-Kraichgau e.V., “Käthe Kollwitz. Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin. Zeichnungen, Grafik, Bronzen”, Wiesloch 1995
Jahrhunderthalle Hoechst, “Käthe Kollwitz 1867-1945. Zeichnungen, Druckgraphik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderen Sammlungen”, Berlin 1985
Literatur:
Martin Fritsch (Hg.), "Käthe Kollwitz - Zeichnung, Grafik, Plastik", Berlin 1999
Kunstkreis Südliche Bergstraße-Kraichgau e.V. (Hg.), "Käthe Kollwitz: Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin. Zeichnungen Graphik Bronzen", Ausst.-Kat., Wiesloch 1995.
Jahrhunderthalle Hoechst (Hg.), "Käthe Kollwitz 1867-1945. Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderer Sammlungen", Ausst.-Kat., Hoechst 1985
Käthe Kollwitz’ Graphik, mit ihren ausdrucksstarken, kraftvollen Schilderungen des menschlichen Daseins, ist berühmt. Weniger bekannt sind ihre Skulpturen – ungefähr 25 Arbeiten –, die mit der gleichen Kraft gestaltet und von derselben Thematik zeugen wie ihr graphisches Werk. Künstlerisch ist Kollwitz mit dem Armenviertel im Norden Berlins verwachsen. Sie ist erfüllt von einem zutiefst empfundenen Mitleid mit den Armen und Leidenden ihrer Zeit. Als das ultimative Ziel ihrer Kunst hat sie selbst in Tagebuchblättern und Briefen immer wieder die Besserung der gesellschaftlichen Verhältnisse benannt. Nach frühzeitiger Aufgabe der Malerei widmet sie sich ganz der Graphik, zunächst der Radierung und Lithographie und seit circa 1920 hauptsächlich dem Holzschnitt. Der Tod ihres Sohnes Peter im Ersten Weltkrieg führt Käthe Kollwitz zur Plastik. Sie plant ein Soldatendenkmal, das sie von 1914 bis zu seiner Vollendung 1932 beschäftigt.
1933 wird sie aus ihrem Lehramt als Leiterin des Meisterateliers für Graphik an der Preußischen Akademie der Künste entfernt. Zusammen mit Heinrich Mann tritt sie aus der Akademie aus. 1936 folgt ein inoffizielles Ausstellungsverbot. Angesichts des drohenden Krieges formuliert sie nochmals Skulpturen mit monumentalem, kämpferischem und dabei verinnerlichtem Pathos. Neben dem Soldatendenkmal, ihrem plastischen Hauptwerk, entstehen nun einige weitere bedeutende Skulpturen, wie der „Turm der Mütter“ von 1937 oder die „Pieta“ von 1938. Im Spätwerk der Künstlerin entsteht aber auch eine Reihe bedeutender Kleinskulpturen wie die vorliegende Kindergruppe. Kinder spielen in der Kunst von Käthe Kollwitz eine bedeutende Rolle. Dabei schildert die Künstlerin keineswegs nur Not und Armut, sondern auch die glücklicheren Momente im Leben der Menschen. In unserer Skulptur „Geschwister“ stehen drei Kinder eng aneinandergeschmiegt. Das Älteste trägt das Jüngste auf dem Arm, daneben steht das Dritte, alle dicht beisammen. Sie blicken den Betrachter frontal an. Auf einen Sockel erhoben, stehen sie beinahe stelenartig, quasi als Sinnbild für die Kindheit selbst. Sie sind von großer Präsenz durch den intensiven Ausdruck der kleinen Gesichter. Ihre Körper fügen sich fast zu einem Block zusammen, der nur durch die Gewandfalten und das Schuhwerk etwas aufgelockert wird und seine formale Fortsetzung im Sockel findet.
Das Muttersein zählt für Käthe Kollwitz zu den wichtigsten Erfahrungen ihres Lebens. Die Bedeutung des Familienlebens betont sie in einer Bemerkung gegenüber ihrem Sohn Hans: „Es sind mir drei Dinge wichtig in meinem Leben: dass ich Kinder gehabt habe, dass ich einen solch treuen Lebenskamerad gehabt habe und meine Arbeit.“ 1) Die Kinder stehen bei Käthe Kollwitz an erster Stelle. Sie strotzen im Werk der Künstlerin aber nicht vor Vitalität, sie spielen fast nie, anders als zum Beispiel bei Max Liebermann. Es wird vielmehr die Sehnsucht der sozialkritischen Künstlerin deutlich, Leid abzuwenden und diese einzigartige Schöpfung, das Leben des Kindes, zu bewahren.
Anm.: 1)Käthe Kollwitz, „Briefe der Freundschaft“, München 1966, S. 137.
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